Mit dem Schiff auf drei „Flüs­sen“ durch das Wein­ge­biet von Bordeaux

Nau­ti­sche Berichte oder ent­spre­chende Lite­ra­tur über die fran­zö­si­sche Bin­nen­schiff­fahrt sind rar, um nicht gar zu sagen, nicht-exis­tent. So wer­den Schiff­fahr­ten auf den Flüs­sen und Seen von Frank­reich zu ech­ten Ent­de­ckungs­rei­sen, min­des­tens was die Nau­tik betrifft. Obwohl es aus­ser im Dis­ney­land bei Paris (DS Mark Twain) mei­nes Wis­sens1 keine Dampf­schiffe mehr auf fran­zö­si­schen Bin­nen­ge­wäs­sern gibt, ist die Pas­sa­gier­schiff­fahrt in Frank­reich viel­fäl­tig und über­all dort ver­brei­tet, wo sich Tou­ris­ten auf­hal­ten. Bekannt sind die Seen von Savoyen, in der Nähe von Genf mit dem Lac du Bour­get und Lac d’Annecy. Auch auf den Flüs­sen bie­ten mal mehr (wie auf der Seine in Paris) und mal weni­ger (wie z.B. in Lyon auf der Rhône) Fahr­gast­schiffe Rund­fahr­ten an. Seit es die Ree­de­rei Croi­si­Eu­rope (1976 gegrün­det, bis 1997 unter dem Fir­men­na­men Alsace Croi­siè­res) gibt, wer­den nun alle dafür geeig­ne­ten fran­zö­si­schen Flüsse mit Hotel­schif­fen bewirt­schaf­tet: Nebst dem Rhein (der bekannt­lich zwi­schen Basel und Stras­bourg ein Stück als Grenz­fluss dient) sind dies die Flüsse Rhône, Saône, Garonne, Dordo­gne, Gironde, Seine und Loire mit ins­ge­samt 24 Schiffen.

Die Klick­ra­ten ver­ra­ten es: Berichte über Frank­reichs Schiff­fahrt fal­len beschei­den aus. Nichts­des­to­trotz inter­es­sie­ren mich auch jene Gewäs­ser, die wenig im öffent­li­chen Fokus ste­hen. Die­ses Mal geht es nach Bor­deaux auf die „Flüsse“ Garonne, Dordo­gne und Gironde. Wie im Titel bereits ersicht­lich, ist das Wort „Flüsse“ in Anfüh­rungs­zei­chen gesetzt. Denn auf Fran­zö­sisch benutzt die lokale Bevöl­ke­rung für diese drei flies­sen­den Gewäs­ser ver­schie­dene Bezeich­nun­gen: In Bor­deaux ist die Garonne ein Strom (fleuve), in Libourne die Dordo­gne ein Fluss (rivière) und gleich unter­halb der bei­den Städte, ebenso wie die Gironde, ein Meer (mer).

«De Bach gaht opsi» war bei uns zu Hause ein Syn­onym für etwas «Unmög­li­ches, Gelo­ge­nes, der rei­nen Fan­ta­sie ent­sprin­gend», ana­log der Bas­ler Ver­sion «Ver­zell doch das em Fähri­maa». Im Fahr­ge­biet «Bor­de­au­lais» der heute sechs fah­ren­den Fluss­kreuz­fah­rer «gaht de Bach» tat­säch­lich «opsi» – näm­lich (theo­re­tisch)2 alle sechs Stun­den, gefolgt von der nächs­ten Phase, in der dann «der Bach nidsi» Rich­tung Meer fiesst, so wie es nach Schwei­zer Ver­ständ­nis sein müsste. Die Gezei­ten aber machen einen «Strich durch die Rech­nung». Diese sind an der atlan­ti­schen West­küste die stärks­ten in Europa, sodass sowohl am Schiff-Wen­de­punkt auf der Dordo­gne in Libourne (siehe Karte; 110 km vom Meer ent­fernt) wie auch am Wen­de­punkt auf der Garonne in Cadil­lac (130 km vom Meer ent­fernt) die Gezei­ten nicht nur wesent­lich spür­bar sind, son­dern auch einen Ein­fluss auf die Schiff­fahrt und unser Pro­gramm haben. Bei Ebbe senkte sich der Was­ser­spie­gel in Libourne am 1. Juni auf den Pegel von 22 cm, sodass um 15.00 Uhr die bei­den Schiffe S.S. Bon Voyage und unsere Cyrano de Ber­ge­rac in die Fluss­mitte fah­ren und dort zwei Stun­den war­ten muss­ten, bis die Flut wie­der einsetzte.

Seit erst 12 Jah­ren gibt es hier Hotelschiffe

Im Gegen­satz zur Loire, wo Croi­si­Eu­rope eine Mono­pol­stel­lung hat, ist hier die Kon­kur­renz heute viel­fäl­tig. Das war zu Beginn 2011 anders: da waren die Fran­zo­sen mit ihrem ehe­ma­li­gen Rhone-Schiff Rhône Prin­cesse (auf der Gironde hiess es dann „Prin­cesse d’Aquitaine“) noch die ein­zi­gen und ver­zeich­ne­ten gleich im ers­ten Betriebs­jahr mit 9 468 Fahrt­gäs­ten den erhoff­ten Erfolg. Obwohl die Fahr­di­stan­zen zwi­schen den „Häfen“ jeweils unter 100 km betra­gen und damit „Viel­fah­rer“ abge­hal­ten wer­den, war offen­bar das Wein­ge­biet ein Anziehungspunkt.

Die Eig­ner­fa­mi­lie Schmit­ter aus Stras­bourg bestellte gleich ein zwei­tes Schiff: MS Cyrano de Ber­ge­rac kam dann 2013 als Neu­bau in Betrieb. Es war ein bau­glei­ches Schwes­ter­schiff der „Gérard Schmit­ter“ (2012, Ein­satz Rhein) und der „La Belle de Cadix“ (2005÷10 In Sevilla/​Spanien). Der Erfolg zog die Kon­kur­renz an, vor allem die Ame­ri­ka­ner ent­deck­ten mit ihren Schif­fen Viking Foresti (2013), River Royal (heute S.S. Bon Voyage, 2014 von Uni­word), River Chan­son (2015 von Grand Cir­cle, bis Ende 2019), Ama­dolce (2016 von AMA Water­ways), Bor­deaux (2016 von Aqui­taine) und Scenic Dia­mond (eben­falls 2016 von Scenic Tours) das Wein­land Bor­deaux. Das war dann für die Croi­si­Eu­rope zu viel des Guten: ihre Pas­sa­gier­zah­len gin­gen von 13 511 (im Jahr 2015) zurück und die „Prin­cesse d’Aquitaine“ wurde wie­der nach Lyon zurück­be­or­dert. Die Fre­quenz betrug dann 2019 noch 7 451 Per­so­nen.3

Auf dem Schwei­zer Markt bie­ten die bei­den Bran­chen­lea­der aus Wein­fel­den (Thur­gau) für Frank­reich fast aus­schliess­lich Fahr­ten auf der Rhône und Seine an. Alle übri­gen Frank­reich-Desti­na­tio­nen fin­det man in der Lau­san­ner Agence von Croi­si­Eu­rope, so auch die „Cyrano de Ber­ge­rac“, mit der ich anfangs Juni in Bor­deaux unter­wegs war4. Wäh­rend mei­nes Auf­ent­hal­tes stan­den, mit einer Aus­nahme, die ande­ren Ein­hei­ten eben­falls im Ein­satz: Nur die „Bor­deaux“ war noch im Win­ter­ha­fen. Recher­chen erga­ben, dass das Schiff zuletzt als Bike-Schiff ein­ge­setzt war, aber in die­sem Jahr von kei­nem Rei­se­büro gechar­tert wurde.

Attrak­tive Stadt auch aus­ser­halb von Wein-Interessen

Bor­deaux ist seit 20 Jah­ren wie „wach-geküsst“, wie unsere Rei­se­füh­re­rin es umschreibt. Vor­her gab es eine gewisse Lethar­gie, weil die Stadt sich wegen dem Reich­tum (Stich­wort Wein und Han­dels­stadt) über Jahr­hun­derte nicht um eine Wei­ter­ent­wick­lung bemü­hen wollte. Initia­tive Leute ent­war­fen dann ein neues Stadt­kon­zept, um gegen­über ande­ren auf­stre­ben­den Städ­ten Frank­reichs kon­kur­renz­fä­hig zu blei­ben. Heu­tige Besu­cher ken­nen die Stadt nicht mehr, obschon die Alt­stadt mit ihren prunk­vol­len klas­si­zis­ti­schen Häu­sern nach wie vor in alter Pracht den Kern der Stadt bil­det5.

Gegen 60 für das Stadt­bild über­di­men­sio­nierte Kreuz­fahrt­schiffe errei­chen jähr­lich Bor­deaux. Für sie muss jeweils die Pont Jac­ques Char­bon-Del­mas um die Höhe der Oze­an­li­ner ange­ho­ben wer­den, wodurch die vier­spu­rige Strasse für jeweils zwei Stun­den gesperrt wird. Hoch­ge­rech­net aufs Jahr ergibt dies 120 Brü­cken­an­he­bun­gen mit ins­ge­samt 240 Stun­den Stras­sen­sper­rung. Auf jeder Seite der Brü­cke geben an den Ein­fall­stras­sen grosse Anzei­ge­ta­feln Tage vor­aus bekannt, wann eine Sper­rung erfolgt, sodass die Ver­kehrs­teil­neh­mer ihr Ver­hal­ten früh­zei­tig pla­nen können.

In der Stadt gibt es zur­zeit nebst der öV-Schiff­fahrt (2013 gegrün­det mit den drei Schif­fen L’Hirondelle, La Gon­dole, L’Avocette) noch vier lokale Pri­vat-Anbie­ter von Rund­fahr­ten: Die Ree­de­rei „Yacht de Bor­deaux“ ist mit Nost­al­gie­schif­fen unter­wegs: MS Luna (1953), MS Pibal (1989) und MS Mad­da­lena (1951). Der lokale Markt­füh­rer Bor­deaux River Cruise (gegrün­det 2018) heisst seit die­sem Jahr „Les Bateaux Bor­de­lais“ und ist mit der jüngs­ten Flotte anzu­tref­fen: das ein­zige Zwei­deck-Salon­schiff Sicambre, gebaut in der Tür­kei), MS Sar­dane und MS Sirius (2022 aus der Werft Chan­tier naval Franco-Suisse aus Vil­lers-le-Lac am Lac des Bre­nets)). Das bis­lang ein­ge­setzte Klein­mo­tor­schiff Sil­net soll ver­kauft wer­den. Die dritte Schiff­fahrts­ge­sell­schaft heisst Croi­siè­res Bur­di­gala und hat drei Fahr­gast­schiffe in Betrieb: MS Aqui­ta­nia, Bur­di­gala und Bur­di­gala II. MS Marco Polo mit Jahr­gang 1960, das ori­gi­nellste und schönste Schiff in Bor­deaux, wird schliess­lich durch die gleich­na­mige Ree­de­rei betrieben.

Der blonde Fluss

Ich wun­dere mich, dass die Garonne in jeder Jah­res- und Tages­zeit braun ist. Eine befragte Bordo­lais, so nen­nen sich die Ein­woh­ne­rin­nen und Ein­woh­ner von Bor­deaux, gibt mir wirsch zur Ant­wort: „Le fleuve n’est pas brun, il est blond!“ Bis vor Jah­ren glaubte man, diese Farbe komme von den Sedi­men­ten, die seit Men­schen­ge­den­ken infolge der Gezei­ten fluss­auf- und abwärts bewegt wer­den. Bei Ebbe sieht man die Abla­ge­run­gen an den Ufern deut­lich. Neuere Unter­su­chun­gen bele­gen, dass der feine Sand bloss eine unter­ge­ord­nete Rolle spielt. Viel­mehr ist es ein phy­si­ka­li­scher Pro­zess, der che­misch aus­ge­löst wird: Posi­tiv gela­dene Ionen des Meer­was­sers ver­mi­schen sich mit nega­tiv gela­de­nen Ionen des Fluss­was­sers, was zu einer che­mi­schen Reak­tion in Form einer Aus­flo­ckung (auch Flo­ckung oder Flok­ku­la­tion genannt) kommt. Dabei wer­den feinste sog. sus­pen­dierte (und damit unsicht­bare) Fest­stoff­ar­ti­kel im Was­ser zu grös­se­ren Flo­cken ver­eint, die dann als Par­ti­kel­chen das Was­ser sicht­bar braun färben.

Wie immer, wenn Croi­si­Eu­rope ihre Fluss­fahr­ten mit Meer-Pas­sa­gen kop­pelt, kann das genaue Wochen­pro­gramm nicht im Vor­aus fest­ge­legt wer­den. Der Kata­log umschreibt des­halb keine Zei­ten, son­dern Ziele, die im Ver­laufe der Woche erreicht wer­den. Das Aus­flugs­pro­gramm, das im Falle von Bor­deaux über­durch­schnitt­lich teuer ange­bo­ten wird, musste auf unse­rer Fahrt drei Mal geän­dert wer­den. Der Kapi­tän muss nicht nur den Zeit­punkt des Tiden­hu­bes im Auge behal­ten, son­dern auch noch die Grösse der Ampli­tude: Ebbe ist nicht gleich Ebbe, Flut nicht gleich Flut. Je nach Kon­stel­la­tion der Gestirne kann der Tiefst‑, resp. Höchst­stand einen und mehr Meter von der Gezei­ten­be­we­gung eines ande­ren Tages im Jahr abweichen.

Kurz­be­schrieb der Flussreise

Von Bor­deaux aus tuckert die „Cyrano de Ber­ge­rac“ früh am Mor­gen 25 km gegen Wes­ten nach Bec d‘Ambès. Dort ver­eint sich die Garonne mit der Dordo­gne, danach erhält der Fluss den neuen Namen Gironde. Das dor­tige Gemisch aus Salz- und Süss­was­ser (Brack­was­ser genannt) erstreckt sich dann 75 km bis zur Mee­res­mün­dung bei Royan am Atlan­tik. Wir machen „Rechts­um­kehrt“ und mün­den in die Dordo­gne in den 484 km lan­gen Fluss, der nun bis nach Libourne 40 km schiff­bar ist. Hier muss, wie bereits erwähnt, das Schiff für einige Stun­den in die Fluss­mitte manö­vriert wer­den, da die heu­tige Ebbe am Lan­dungs­steg zu wenig Was­ser für das Schwim­men des Schif­fes übrig­lässt. Diese Zeit benutze ich für sport­li­che Akti­vi­tä­ten6, die ansons­ten an Bord zu kurz kommen.

Noch am glei­chen Tag fährt die „Cyrano de Ber­ge­rac“ wie­der fluss­ab­wärts nach Cus­sac in die an die­ser Stelle 10 km breite Gironde. Tags dar­auf errei­chen wir die atlan­ti­sche Küs­ten­stadt Royan, wo eine mari­time Stim­mung spür­bar ist. Der hun­derte von Metern breite Sand­strand ist ebenso ein Mar­ken­zei­chen von Royan wie die 1955 im Stil des Bru­ta­lis­mus erbaute (und heute auf eine Reno­va­tion war­tende) impo­sante Kir­che Notre Dame. Der aus rohem Stahl­be­ton erbaute Sakral­raum ist ein Pro­dukt der Revi­val-Bewe­gung in den Nach­kriegs­jah­ren und hatte die Gotik als Vor­bild. Zu Beginn der ein­zi­gen Nacht­fahrt die­ser Reise ent­zückt ein fabel­haf­ter Son­nen­un­ter­gang die Gäste an Bord, wäh­rend im Osten Gewit­ter­blitze dunkle Wol­ken erhel­len. Am andern Mor­gen erwa­chen wir in Cadil­lac. Das nächt­li­che Gewit­ter hüllte Schiff und Fluss­land­schaft in Nebel, der sich aber mit auf­ge­hen­der Sonne rasch auflöst.

Auf der Rück­fahrt nach Bor­deaux nehme ich mein Mit­tag­essen auf dem Son­nen­deck ein und geniesse die vor­bei­zie­hende Land­schaft und die an die­ser Stelle zahl­rei­chen Brü­cken­durch­fahr­ten. Wer, wie ich, wäh­rend der Fahrt nicht stun­den­lang in einem Spei­se­saal sit­zen möchte, kann auf Wunsch gerne das Essen auf dem Son­nen­deck ein­neh­men. Ein Käse­plätt­chen mit fei­nem Wein oder ein üppi­ges Sand­wich sind dann eh eine will­kom­mene Abwechs­lung zu den mit der Zeit etwas mono­to­nen 5‑Gängern. Nau­tisch anspruchs­voll ist wenige Hun­dert Meter vor der Anle­ge­stelle in Bor­deaux die Pas­sage der 1822 erbau­ten Pont de Pierre. Die 17 Bögen der ältes­ten Brü­cke der Stadt las­sen wegen den Gezei­ten für die Pas­sage unse­res Schif­fes nur ein sehr klei­nes Zeit­fens­ter offen: Bei Ebbe hats zu wenig Was­ser im Fluss­bett, bei Flut mag das Schiff nicht „unten durch“. Ein wie­der­keh­ren­des Thema auf die­ser Reise…

Unsere „Cyrano de Ber­ge­rac“ vor der klas­si­zis­ti­schen Stadt­ku­lisse von Bor­deaux (18. Jahrhundert)

Obwohl die gröss­ten Luxus­li­ner der Welt­meere nicht bis nach Bor­deaux fah­ren kön­nen, erschei­nen selbst die „klei­ne­ren“ unter ihnen wuch­tig im Stadt­bild; in der Mitte ersicht­lich die Anle­ge­stelle der Aus­flug­schiffe der Ree­de­rei Les Bateaux Bor­de­lais, im Hin­ter­grund MS Cyrano de Bergerac.

Didier, der umtrie­bige und all­zeit dienst­tu­ende Hotel­ma­na­ger an Bord: „L’heure bleue, c’est ce moment magni­fi­que où le jour laisse place à la nuit.» Er spricht auch per­fekt deutsch: «Die blaue Stunde ist der gross­ar­tige Moment, in dem der Tag der Nacht Platz macht.» Hier in Lussac am lin­ken Ufer der Gironde.

Die Küchen­bri­gade stellt sich vor und ver­spricht nicht zu viel: rundum Lob gab es am Schluss von den Fahrgästen.

Idylle im Wein­ge­biet Cadil­lac; der mor­gend­li­che Nebel ver­zieht sich und macht der Sonne Platz.

Ori­gi­nal-Ölbil­der fein abge­stimmt zum Farb­kon­zept des Schif­fes und gescheite und genü­gend Trep­pen­auf­gänge und ‑abgänge fal­len an Bord der „Cyrano de Ber­ge­rac“ auf.

Die hoch­wer­tige Beleuch­tung im Ein­gangs­be­reich des Schif­fes erin­nert als Gan­zes etwas an Weihnachten.

Die Fröh­lich­keit der Crew­mit­glie­der über­trägt sich auf uns Pas­sa­giere. Ich habe sel­ten ein solch har­mo­ni­sches Team erlebt.

Die berühm­ten Car­re­lets an der Gironde; die auf Stel­zen gebau­ten Fischer­häus­chen wer­den über Gene­ra­tio­nen vererbt.

Bil­der im Textteil:

Aus­schnitt aus dem Gezei­ten­ka­len­der für Libourne: Man erkennt deut­lich, dass wegen dem flies­sen­den Was­ser die Gezei­ten zuneh­mend vier und abneh­mend acht Stun­den dauern.

Sel­ten sehen die Fluss-Kreuz­fahrt­schiffe so schnit­tig aus: fran­zö­si­sche Ele­ganz der CroisiEurope.

Vom Publi­kum geschätzt und von der Umwelt ver­dankt: Nacht­strom­an­schluss für die Elektroversorgung

Impres­sio­nen aus den Innen­räu­men der „Cyrano de Ber­ge­rac“: der Spei­se­saal ist hell und freund­lich; der vor­dere Salon ist etwas über­stellt, bie­tet aber mit vie­len Tisch­plät­zen gute Alter­na­ti­ven zu den sonst übli­chen Pols­ter­gar­ni­tu­ren; im Heck bie­tet eine Bar einen wei­te­ren Aufenthaltsraum.

Unten: die Über­sichts­karte der im Text erwähn­ten Örtlichkeiten.

Durch Klick aufs Bild erscheint die­ses im Grossformat.

Am Schluss des Blogs ist Ihr Kom­men­tar willkommen.

Hin­weise

1) Die im Dampf­schif­fre­gis­ter von Max Kuhn auf­ge­führte «Pas­teur» (1914 Schiffs­werft Linz) wurde lt. Zei­tungs­be­rich­ten 2013 in Stras­bourg aus­ran­giert (Link).

2) Die Zeit von Flut und Ebbe dau­ert zusam­men in der Regel um die 12 Stun­den und 25 Minu­ten. Nicht so bei Flüs­sen: Die Gezei­ten blei­ben zwar gleich, aber die Zeit­span­nen sind wegen der Strö­mung wesent­li­cher ver­schie­den. Von der Ebbe bis zur Flut, dem Höchst­stand des Was­ser­spie­gels, ver­ge­hen dann bloss vier Stun­den (statt sechs), weil die Was­ser­zu­fuhr von oben plus die Mond­an­zie­hungs­kraft viel stär­ker (und damit schnel­ler) wirkt als umge­kehrt. Beim Vor­gang von Flut zu Ebbe wirkt nun ein Teil des auf­ge­stau­ten Was­sers «vom obe­ren Fluss­teil» ver­zö­gernd auf den Vor­gang. Die­ser Pro­zess dau­ert des­halb acht Stun­den (siehe 1. Abbil­dung im Textteil).

4) Tech­ni­sche Daten: MS Cyrano de Ber­ge­rac, 2013 Werft Meuse et Sambre in Namur, 174 Pas­sa­giere und 35 Besat­zung, 110.00 m L, 11,40 m B, 1,3 – 1,6 m T, 1985 t m, 3 x 440 kW P

Kom­men­tar zum Schiff: Das Schiff gefällt dank durch­dach­ter Raum­auf­tei­lung. So ist z.B. das Restau­rant nicht in der Schale, son­dern auf dem Mit­tel­deck ange­ord­net, was sich auf die bei den Fran­zo­sen übli­chen lan­gen Ess-Ses­si­ons posi­tiv aus­wirkt. Diverse Trep­pen­auf­gänge und ‑abgänge erlau­ben einen öko­no­mi­schen Fahr­gast­fluss. An heis­sen Tagen, wie wir sie erle­ben durf­ten, fehlt ein Schwimm­bas­sin, was aber, im Kon­text mit dem Atlan­tik­wet­ter, beim Bau des Schif­fes wohl kaum erste Prio­ri­tät hatte. Ein Fit­ness- und Sau­na­raum feh­len ebenso wie einige Velos an Bord. Die Kabi­nen sind gemes­sen an heu­ti­gen Stan­dards eher klein. Auf­fal­lend posi­tiv kommt beim Publi­kum an, dass an sämt­li­chen Über­nach­tungs­or­ten das Schiff an Land­strom ange­schlos­sen wird, sodass auch die Gene­ra­to­ren nachts schwei­gen. Mit weni­gen Aus­nah­men gibt es prak­tisch nur Tages­fahr­ten, was Schwei­zer Gäste beson­ders freut. Auf­fal­lend waren auch die schlan­ken und spe­di­ti­ven Anle­ge­ma­nö­ver, mit­samt einem unkom­pli­zier­ten Land­gang-Hand­ling; das wäre direkt vor­bild­lich für andere Ree­de­reien. Die Schiffs­form wirkt sehr ele­gant und der Land­schaft ange­passt; ein­zig das «Feh­len» des Steu­er­hau­ses (es ist im Ober­deck inte­griert) ist optisch etwas gewöhnungsbedürftig.

5) 2003 wer­den vier völ­lig neu­ge­baute Tram­li­nien eröff­net, vor weni­gen Wochen kam noch die Ver­zwei­gung der Linie C zum Flug­ha­fen dazu. 2006 ent­steht ein neuer, gross­zü­gi­ger Quai mit dem bekann­ten Was­ser­spie­gel „Miroir d’eau“. Diese 3450 m2 grosse Was­ser­flä­che gilt als der welt­grösste Brun­nen und ver­wan­delt sich dank fei­nen Düsen stünd­lich in ein schwe­ben­des Nebel­meer7. Im Zusam­men­hang der Quai Gestal­tung baute die Stadt für Oze­an­li­ner, Fluss-Hotel­schiffe wie auch für die BAT3 (ganz­jäh­rig im Ein­satz ste­hen­der öV auf Was­ser mit fünf Sta­tio­nen), Tages­au­flugs- und Rund­fahr­ten-Schiffe rund ein Dut­zend Schiffs-Anle­ge­stel­len, die den fünf Meter gros­sen Tiden­hub pro­blem­los auf­fan­gen. 2007 erhält die Stadt nach ent­spre­chen­den Bemü­hun­gen das UNSECO Welt­kul­tur­erbe-Label. 2013 eröff­net Bor­deaux die ultra­mo­derne Brü­cke Jac­ques Char­bon-Del­mas. Das 333 m lange Wahr­zei­chen der Stadt kann von 13 m auf 51 m ange­ho­ben wer­den, wenn Luxus­li­ner in die bloss drei Kilo­me­ter ent­fernte Anle­ge­stelle in die Stadt fah­ren. Das von den Star­ar­chi­tek­ten Anouk Legendre und Nico­las Des­ma­ziè­res ent­wor­fene futu­ris­ti­sche Wein­mu­seum kata­pul­tierte 2016 Bor­deaux im inter­na­tio­na­len Muse­ums­wett­be­werb nach oben.

6) Tipps zum sport­li­chen Aus­gleich: Die von den Anbie­tern orga­ni­sier­ten Land­aus­flüge von meh­re­ren Stun­den (meist per Bus) sind für mich kein Ver­gnü­gen, wes­halb ich oft dar­auf ver­zichte. Ich nehme damit bewusst in Kauf, etwas zu ver­pas­sen. Der Gewinn ist jedoch, genug Zeit zu haben, auf eigene Faust die Orte zu erkun­den oder an Bord in Ruhe die Rei­se­ein­drü­cke in Wort und Bild zu ver­ar­bei­ten. In den halb-bis ganz­tä­gi­gen Hafen­auf­ent­hal­ten der Fluss­kreuz­fahrt­schiffe bleibt denn auch genug Zeit, sich etwas Bewe­gung zu gön­nen, was sonst an Bord zu kurz kommt.

Auf die­ser Reise kann ich fol­gende Akti­vi­tä­ten emp­feh­len: in Bor­deaux ist es ange­nehm, an bei­den Ufern der Garonne zwi­schen der Pont de Pierre und der Pont Jac­ques Cha­ban-Del­mas zu jog­gen; die Stre­cke führt direkt dem Ufer ent­lang und ist in genü­gen­der Distanz zur Fahr­strasse. In Liboune emp­fiehlt es sich, ein Velo zu mie­ten, um die Wein­ge­gend per Rad zu erkun­den oder zum Ruder­zen­trum Lac des Dagueys zu fah­ren. Croi­si­Eu­rope stellt bedau­er­li­cher­weise keine Fahr­rä­der an Bord zur Ver­fü­gung. Die Vel­over­leih­sta­tion in Libourne ist direkt bei der Schiff-Anle­ge­stelle. In Cus­sac ist Wan­dern ange­sagt: sowohl das Fort Médoc (Rest­bstände einer Wehr­an­lage bei der Anle­ge­stelle) wie der drei Kilo­me­ter lange Weg zum Ort Cus­sac-Fort-Médoc führt zu einem Fried­hof. Hier lohnt sich ein län­ge­rer Ent­de­ckungs­auf­ent­halt. Kurz danach erreicht man die „City“ mit einem Restau­rant (zum Kaf­fee­trin­ken), einem Lebens­mit­tel-Kiosk sowie einer Post­fi­liale. In Royan bie­tet sich ein 3 km lan­ger und 500 m brei­ter (!) Strand zum Jog­gen an. Beson­ders bei Ebbe gibt das Meer einen kom­pak­ten Sand­strand frei, des­sen beson­ders fei­ner Sand ange­nehm und wie ein natür­li­cher Tar­tan-Belag wirkt.

Quel­len

3) Hader Arnulf, The River Cruise Fleet Hand­book 2023 (Link)

Wei­ter im Text

7) Nähere Infor­ma­tio­nen über den „Miroir d’eau“ Link

Impres­sum

Text und Bil­der H. Amstad

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