Nach Sanie­rung: Äge­ri­see-Bijou MS Mor­gar­ten fei­ert das Comeback

Freude herrscht am Äger­see: Bei Son­nen­schein und vie­len zufrie­de­nen Gäs­ten, Spon­so­ren und Mit­glie­dern des Ver­eins „MS Mor­gar­ten III“ fei­er­ten die Äge­rer am 12. August 2023 offi­zi­ell die Wie­der­in­be­trieb­nahme ihres gelieb­ten und belieb­ten Bijous MS Mor­gar­ten (III). Der kürz­lich neu gewählte Ver­eins­prä­si­dent Marc Meyer dankte in ers­ter Linie den Spon­so­ren, wel­che die umfas­sende Reno­va­tion des Schiffs­kör­pers mit ins­ge­samt 100‘ 000 Fran­ken ermög­lich­ten. Der vor­ma­lige Ver­eins­prä­si­dent und Pro­jekt­lei­ter der Reno­va­tion, Fritz Zbin­den, zeigte sich erleich­tert, die­ses her­aus­for­dernde Vor­ha­ben mit dem heu­ti­gen Tag nun zu einem glück­li­chen Ende füh­ren zu kön­nen. Die gesamte Beleg­schaft der Umbau­werft der Boots­bau-Firma Spren­ger, ange­führt durch ihren Chef Michael Spren­ger mit Gat­tin Edith, war anwe­send und war ent­zückt über die­ses hüb­sche Ägeri-Hoch­tal mit­samt sei­ner Perle, dem Ägerisee.

Es war wahr­schein­lich die 4. Schiffs­taufe, die das MB Mor­gar­ten erle­ben durfte. Aus der Geschichte des Schif­fes wis­sen wir, dass es auf drei ver­schie­de­nen Gewäs­sern schon drei Namen hatte. Nun ent­schloss sich der Ver­ein, die „Mor­gar­ten“ nach die­sem sehr gros­sen, aber denk­mal­pfle­ge­risch sorg­sa­men Ein­griff in die Sub­stanz des Schif­fes, noch­mals zu tau­fen. „Wobei wir nicht wis­sen, ob es je zuvor schon mal getauft wurde“, gab der Ver­eins­prä­si­dent zu beden­ken. Sonja Meier, Toch­ter von Hans Meier aus Alo­sen (frü­he­rer Betriebs­lei­ter der Äge­ri­see-Schiff­fahrt), fiel die Ehre zu, mit Cham­pa­gner dem Schiff nicht nur unfall­freie Fahrt zu wün­schen, son­dern „viele glück­li­che Gäste an Bord“. Die gelernte Kon­di­to­rin und Bäcke­rin Sonja hat die Lei­den­schaft für die Schiff­fahrt im Blut; so ist sie auch nach 40 Jah­ren Schif­fer­tä­tig­keit noch heute jeden Mon­tag auf dem Kurs­schiff Äge­ri­see unterwegs.

Geschichte der Äge­ri­see-Schiff­fahrt in Kurzform

Wer­fen wir kurz einen Blick in die Geschichte der moto­ren­be­trie­be­nen Schiff­fahrt auf dem Äge­ri­see, in deren Kon­text die „Mor­gar­ten“ III zu sehen ist. Waren es vom Grün­dungs­jahr 1890 bis 1928 zwei Akti­en­ge­sell­schaf­ten, die mit wenig Erfolg die Schiff­fahrt auf dem Äge­ri­see betrie­ben, kam von 1928 bis 1972 durch die Fami­lie Nuss­bau­mer eine pri­vate Initia­tive zum Zug. Sie endete 1972 mit dem Ver­kauf der Schiff­fahrt an die Ein­woh­ner­ge­meinde Oberä­geri, die sie dann bis 2003 unter der Lei­tung von Hans Meier mit Erfolg betrieb. Hans Meier war nicht nur Kapi­tän, son­dern sorgte selbst für den Unter­halt und die Reno­va­ti­ons­ar­bei­ten der dama­li­gen Schiffe „Ägeri“ und „Mor­gar­ten“. Toch­ter Sonja Meier, wie erwähnt heute noch teil­zeit bei der Äge­ri­see-Schiff­fahrt tätig, ver­deut­licht: „Ohne mei­nen Papi hätte die Ein­woh­ner­ge­meinde Oberä­geri die Schiff­fahrt nicht über­neh­men und betrei­ben kön­nen1! Mein Vater fuhr schon vor der Über­nahme 1972 mit die­sen Schif­fen beim Betrieb der Fami­lie Nussbaumer.»

Seine vier Kin­der Hans jun., Sonja, Priska und Anita hal­fen dabei tat­kräf­tig mit, sei es als Matro­sen, Kas­sie­re­rin­nen oder auch mal als Steu­er­leute, wenn Not am Mann (Meier) war. Sonja erin­nert sich an die Anfänge, als sie fünf-jäh­rig war: „Wie meine Geschwis­ter star­te­ten wir mit Aschen­be­cher und Abfall lee­ren – Rau­chen war da nor­mal –, Sitze tro­cken­rei­ben, «Spinn­hop­peln» ent­fer­nen, Staub­saugen und die Fens­ter innen put­zen. Auf der Kurs­rund­fahrt am Nach­mit­tag beim Auf­ent­halt (mit Pause) gab es für uns als ‘Lohn’ eine Tüte Chips mit Rivella (Jupiii). Täg­lich durf­ten zwei von uns Geschwis­tern mit dem Papi mit.»

Im Zuge der poli­tisch-moti­vier­ten Dis­kus­sion über (not­wen­dige) Auf­ga­ben der öffent­li­chen Hand endete das Oberä­geri-Enga­ge­ment mit der Grün­dung einer wei­te­ren Akti­en­ge­sell­schaft als Eigen­tü­me­rin der Flotte und Infra­struk­tur sowie mit der ZVB als Betrei­be­rin der Schiff­fahrt. Die­ses Kon­strukt hält bis heute.

Die Geschichte des „Mör­gärt­lis“

Fach­leute ver­mu­ten vom Bau­stil her, dass das Schiff um 1910 erbaut wurde. Die Bau­werft ist im Schiffs­aus­weis kor­rekt ver­brieft, nicht aber das Bau­jahr. Die Inbe­trieb­nahme vom 1.1.1926 bezieht sich im Schiffs­aus­weis auf die Imma­tri­ku­la­tion für den Zürich­see, als das Schiff vom Luga­n­er­see zur Firma von Kurt Eix­ner nach Zürich kam2. Die Gebrü­der Vidoli aus Mel­ide erbau­ten das form­schöne Boot, ver­mut­lich für einen Schiffs­be­trieb bis­lang unbe­kann­ten Namens auf dem Luga­n­er­see. Gesi­chert ist dann wie­der, dass die­ses Schiff 1930 auf den Äge­ri­see kam. Die Story, wie das „Mor­gärtli“ III auf den Ägei­see kam, begann mit dem Kon­kurs der „Schif­fahrts­ge­sell­schaft für den Äge­ri­see“ 1928, der die AG zum Ver­kauf ihrer „Mor­gar­ten“ II auf den Thu­ner­see3 zwang. Damit ver­lor der Äge­ri­see die Kursschifffahrt.

Josef Nuss­bau­mer (mit Jahr­gang 1900) sei­ner­seits wollte nach der Lehre als Wag­ner in der seit 1890 in Alo­sen bestehen­den väter­li­chen Wag­ne­rei arbei­ten, sah sich aber mit der Tat­sa­che kon­fron­tiert, dass die Auf­träge zurück­gin­gen. So machte er 1928 bei Kurt Eix­ner (Ski­fa­bri­ka­tion und Boots­bau in Zürich) eine zusätz­li­che Boots­bauer-Aus­bil­dung und bekam im glei­chen Jahr vom Lehr­meis­ter das Motor­boot Basi­lea (Bau­jahr 1910), um (nun als „Josy“ nach dem Namen sei­ner Frau getauft) erste Erfah­run­gen mit Pas­sa­gier­fahr­ten auf dem Äge­ri­see zu machen. Dies hatte Erfolg, sodass Josef Nuss­bau­mer 1930 das auf dem Zürich­see „Anne­ma­rie“ genannte und nun in „Mor­gar­ten“ III umbe­nannte Schiff (eben­falls von Kurt Eix­ner) kaufte und per Tram ins Äger­ital über­führte. Mei­nes Wis­sens ist die heu­tige „Mor­gar­ten“ das ein­zige Schiff, das je mit einem Tram ein Bestim­mungs­ge­wäs­ser erreichte.

Josef Nuss­bau­mer baute dann 1930/31 im Heck­be­reich einen hüb­schen Salon auf das bis­lang offene Schiff, ver­setzte den Motor in die Bug­par­tie, die er auf einer Länge von 2,90 Meter über­deckte. Der Füh­rer­stand kam von der Mit­tel­schiff­seite nach vorne. Sein Sohn Patriz Nuss­bau­mer (eben­falls mit Jahr­gang 1930) über­nahm dann mit Erfolg den Schiffs­be­trieb und baute 1953 das ein­zige je im Kan­ton Zug gefer­tigte Pas­sa­gier­schiff, die „Ägeri“. Die­ses Schiff ersetzte die „Josy“, die auf den Sihl­see kam und ergänzte nun die „Mor­gar­ten“ III. Der Seni­or­chef Josef war 72, sein Sohn Patriz 42 und der Enkel Patrick gerade mal 8‑jährig, als die Fami­lie Nuss­bau­mer sich von der öffent­li­chen Kursschiff­fahrt zurück­zog4. Patrick Nuss­bau­mer zu den Grün­den: „Mein Vater wollte die Schiff­fahrt nicht über­neh­men, weil er die Kräfte im Schiff­bau bün­deln wollte.“ So kaufte 1972 die Ein­woh­ner­ge­meinde Oberä­geri die Schiffe, wo dann Hans Meier, eben­falls aus Alo­sen wie sei­ner­zeit Josef Nuss­bau­mer, das Zep­ter im Auf­trag der Gemeinde über­nahm (vergl. Kapi­tel oben).

Jeden Früh­ling musste nach dem sorg­sa­men Ein­was­sern der ‚Mor­gar­ten‘ die Holz­schale wie­der dicht wer­den: Das Scha­len­holz wei­tete sich nur lang­sam aus – so rich­tig dicht war es jeweils im Herbst, kurz bevor wir das Schiff wie­der aus dem Was­ser hol­ten“, erin­nert sich Hans Meier. „Das war kein Zustand, wes­halb ich 1988 einen Polys­ter-Über­zug anfer­tigte.“ Der damals 14-jäh­rige Sohn Hans jun. half wacker mit, in jener Schiffs­hütte, die nun im kom­men­den Win­ter durch eine neue ersetzt wer­den soll. Der Poly­es­ter-Über­zug aber sollte bis 2022 hal­ten. Den heu­ti­gen Motor baute Hans Meier im Jahr 1992 ein.

Wie erwähnt, wird 2003 eine neue AG unter dem Namen „Äge­ri­seee Schiff­fahrt“ (AeS) gegrün­det. Haupt­ak­tio­näre sind die Gemein­den Ober- und Unterä­geri. 2014 wird die „Mor­gar­ten“ infolge kan­to­na­ler Spar­pa­kete, die starke Aus­wir­kun­gen auf die Schiff­fahrt auf den bei­den Zuger Seen hat­ten, aus dem Ver­kehr genom­men. Gleich­zei­tig küm­mert sich eine IG um Lösun­gen, das Schiff im Äger­ital zu behal­ten. Die AeS trennte sich dann 2016 vom Schiff und über­gab es dem am 23. Juni gegrün­de­ten Ver­ein „MS Mor­gar­ten III“.

Umfas­sen­dere Sanie­rung als erwartet

Auf­grund von Hin­wei­sen des kan­to­na­len Schiff­fahrts­am­tes Zug ent­schied sich der Ver­ein im Jahr 2020, die Schale und den Antrieb des Schif­fes einer gründ­li­chen Reno­va­tion zu unter­zie­hen. Aus Offer­ten von vier Werf­ten schwang der Betrieb von Michael Spren­ger oben­auf. Er über­zeugte die Bau­kom­mis­sion nicht zuletzt des­halb, weil er ein Kon­zept vor­legte, das sehr viel Ori­gi­nal­sub­stanz am Boot liess. Mit Fug und Recht kann man heute nicht von einem neuen Schiff reden, son­dern von einer sorg­sa­men und auf­wän­di­gen Reno­va­tion, der ers­ten die­ser Art seit über 110 Jahren.

Der Pro­jekt­lei­ter der Sanie­rung, Fritz Zbin­den, und ich fuh­ren Ende März 23 ins glar­ne­ri­sche Nie­der­ur­nen, um einer­seits für den Ver­ein letzte Abspra­chen im Zusam­men­hang mit der Reno­va­tion zu täti­gen und ander­seits eine für mich unbe­kannte Werft ken­nen zu ler­nen. Das Indus­trie­ge­bäude von Michael Spren­ger liegt nur wenige Hun­dert Meter von der Auto­bahn­aus­fahrt ent­fernt. Per Trai­ler gelan­gen die Schiffe vom bloss zwei Kilo­me­ter ent­fern­ten Walen­see und auch von Schme­ri­kon (fast so nah) aus vom Zürich­see zu die­ser Werft. „Ich habe auch Kun­den vom Zuger- und Vier­wald­stätter­see“, ergänzt Spren­ger5.

Michael Spren­ger: „Beim Pro­jekt MS Mor­gar­ten ver­zeich­ne­ten wir die grösste Ver­lei­mung der Fir­men­ge­schichte: 66 m2 Vaku­um­fo­lien setz­ten wir ein, um ins­ge­samt 30 m2 Maha­go­ni­fur­niere mit 20 kg Epoxy-Kle­ber an die Schiffs­schale zu pres­sen.“ Der Boots­bauer ver­wen­det den Begriff “Fur­nier“ anders als der Schrei­ner. Wäh­rend im übli­chen Jar­gon Fur­nier­holz unter einer dün­nen Echt­holz­schicht güns­ti­gere Span­plat­ten auf­weist, ver­wen­det der Boots­bauer die­sen Begriff für das gesamte Holz­blatt ohne Span­plat­ten dar­un­ter. „Das kommt daher, dass im Boots­bau dünne Schich­ten von Holz ver­ar­bei­tet wer­den, dafür meh­rere Schich­ten“, ergänzt Spren­ger. Kon­kret: Die bestehende (und vor­her vom 35-jähr­gen Poly­es­ter gerei­nigte) Schale wurde zuerst mit 4 mm star­kem Sperr­holz und anschlies­send mit Maha­go­ni­holz (in glei­cher Stärke) unter Vakuum ver­leimt und auf­ge­dop­pelt. „Dop­pel-dia­go­nal geplankt“, schiebt Michael fach­män­nisch nach.

Zwi­schen den bei­den Holz­schich­ten ver­stärkt dün­nes Glas­fa­ser­ge­webe den Scha­len­auf­bau. Das Schiff wurde des­halb auf jeder Seite rund 1 cm brei­ter, was Aus­wir­kun­gen auf den Fen­der und andere Schiffs­teile ober­halb der Was­ser­li­nie hatte. Der Kiel wurde voll­stän­dig erneu­ert, da infolge ste­hen­dem Bil­gen­was­ser das Holz in Mit­lei­den­schaft gezo­gen wurde. Dadurch musste auch ein neuer Wel­len-Tun­nel gebohrt wer­den, was die Man­nen vom Boots­bau Spren­ger beson­ders her­aus­for­derte. Am 1. Mai 2023 war das Bijou nach sie­ben Mona­ten Exil (Aus­was­se­rung am 7. Okto­ber 2022) wie­der zurück im Ägerisee.

Wie­der­se­hen in Niederurnen

Wer die Arbeit der Werft am Schiff Mor­gar­ten gese­hen hat, kann die Moti­va­tion von Michael Spren­ger und sei­nem Team spü­ren: eine Werft, die begeis­tert, mit Liebe zum Detail. „Nach der Aus­bil­dung zum Holz­boots­bauer beim Per­fek­tio­nis­ten Mar­cel Heitz in der Werk­statt der Boesch Clas­sic Boats in Kilch­berg habe ich mein Wis­sen auf andere Klas­si­ker der Holz­bau­kunst über­tra­gen und erwei­tert. Heute dür­fen wir sagen, dass uns keine Holz­bau-Marke mehr fremd ist. Ob Riva, Pedrazzini, Chris Craft oder Swiss Craft, nach 15 Jah­ren Erfah­rung dür­fen wir uns Exper­ten nen­nen,“ bestä­tigt Michael Spren­ger mei­nen Ein­druck nach die­sem Tag beim Besuch sei­nes Viermann-Betriebes.

Ab Sep­tem­ber sind wir vier Mann in der Bude, wovon einer sich aus­schliess­lich mit Holz­ar­bei­ten beschäf­tigt“, unter­streicht Spren­ger die Bedeu­tung der Holz­ar­beit in sei­ner Werft. Nun kommt das „Mor­gärtli“ im kom­men­den Win­ter ein zwei­tes Mal nach Nie­der­ur­nen. „Heim­weh oder unaus­weich­li­che Nach­bes­se­rungs­ar­bei­ten?“ wollte ich vom Marc Meier wis­sen. „Weder noch“, gibt Marc Ent­war­nung. „Es war eh vor­ge­se­hen, den Motor und das Getriebe ein Jahr spä­ter zu revi­die­ren, was nun eben­falls Michael Spren­ger macht. Aus­ser­dem wird die Schiff­hütte in Oberägei, wo jeweils MS Mor­gar­ten nebst dem MS Ägeri im Win­ter auf­ge­zo­gen sind, neu gebaut. Somit ist das ‚Mor­gärtli‘ in siche­rem Ort in Niederurnen.“

Die Gala­be­flag­gung hielt genau auf der „Jung­fern­fahrt“, dann riss eine Gewit­ter­böe das mari­time Fah­nen-Kunst­werk mit­samt den Holz­stan­gen herunter.

MS Mor­gar­ten macht Freude: v.l.n.r. der neue Ver­eins­prä­si­dent Marc Meyer, Aktua­rin Mari­anne Iten Hürlimann, Fritz Zbin­den, (Prä­si­dent von 2018 bis 2023) und Patrick Nuss­bau­mer (3. Gene­ra­tion der Boots­bau-Fami­lie Nussbaumer).

Aus­was­se­rung des «Mor­gärt­lis» am 7. Okto­ber 2022, um anschlies­send per Trai­ler nach Nie­der­ur­nen zu gelangen.

Am vom Poly­es­ter befrei­ten Rumpf wird mit­tels sechs Pro­ben getes­tet, wel­che Kom­bi­na­tion von zusätz­li­chen Holz­schich­ten die beste Wir­kung erzielt; in der Mitte ist der zu erset­zende Kiel bereits weggetrennt.

Das 10 m lange Schiffe wurde je nach anfal­len­dem Arbeits­gang jeweils gedreht.

Sonja Meier wünscht bei einer Erneue­rung der Schiffs­taufe dem «Mor­gärtli» all­zeit gute Fahrt.

Auch Michael Spren­ger (links) ist zufrie­den mit der abge­lie­fer­ten «Büez».

Bil­der im Text­teil: Aus Anlass des Gön­ner­fes­tes wurde das schwim­mende Kul­tur­gut auf Ser­vi­et­ten geehrt.

Eine der letz­ten Fahr­ten vor der Scha­len­re­vi­sion im Herbst 2022.

Aus dem Adress­buch der Stadt Zürich im Jahr 1859: Ski­fa­bri­kant und Boots­bauer Eix­ner, mit­be­tei­ligt an der Ent­wick­lung der Schiff­fahrt auf dem Ägerisee.

Fach­sim­peln mit dem Boots­bauer Michael Spren­ger in Niederurnen.

Das Arma­tu­ren­brett wurde bereits erneu­ert, der Yan­mar-Die­sel­mo­tor wird im kom­men­den Win­ter revidiert.

Die Mor­gar­ten-Kapi­täne und der Ver­eins­vor­stand rich­ten ihre Auf­merk­sam­keit auf die Worte des Bootsbauers.

Der Shanty-Chor Aegeri umrahmt die Feier musikalisch.

Durch Klick aufs Bild erscheint die­ses im Grossformat.

Am Schluss des Blogs ist Ihr Kom­men­tar willkommen.

Hin­weise

1) Sonja Meier erin­nert sich noch gut: „Ver­ges­sen wird auch immer das ‘Schiffs­büro’. Nach dem ers­ten Jahr hatte das Gemein­de­haus 1972 zu wenig Raum-Kapa­zi­tät dazu. So wurde unser Stu­ben­tisch 20 Jahre lang das Ver­kaufs­büro der ‘Schif­fahrt Aege­ri­see› (damals noch mit zwei ‘f’ im Wort) von meist 07.00 Uhr mor­gens bis abends um 21.00 Uhr – das alles sie­ben Tage die Woche und 365 Tage im Jahr. Zuerst kamen die Bestel­lun­gen und Reser­va­tio­nen alle per Tele­fon, spä­ter mit Hilfe vom Fax. Alles wurde fein säu­ber­lich von Hand in die Agenda geschrie­ben und auf Wunsch wur­den die Bestä­ti­gun­gen, eben­falls von Hand geschrie­ben, per Brief­post ver­sandt. Dies hatte mein Mami Jose­fine unter sich.»

2) Zu klä­ren wäre mit Recher­chen in Zürich und Mel­ide, ob allen­falls Kurt Eix­ner selbst den Auf­trag bei den Fratelli Vidoli gab, die „Anne­ma­rie“ zu bauen. Plau­si­bel ist dies zwar nicht, da Eix­ner selbst Schiffe baute. Viel­mehr liegt die Hypo­these nahe, dass der Zür­cher Ski­fa­bri­kant und Boots­bauer das Occa­sion-Schiff güns­tig in Lugano erwer­ben konnte.

3) Die „Mor­gar­ten“ II wurde dann von der BLS erwor­ben und unter dem glei­chen Namen bis 1928 im unte­ren Thu­ner­see-Becken für Lokal­kurse ein­ge­setzt. Als spä­ter Bus­ver­bin­dun­gen die­sen Ser­vice über­nah­men, kam das Schiff 1949 auf den Bri­enz­er­see und wurde in „Har­der“ umge­tauft. Bis 1976 war es ab Inter­la­ken-Ost ähn­lich im Ein­satz wie auf dem Thu­ner­see; das Schiff kommt dann nach Bri­enz, wo der dor­tige Kur­ver­ein mit der „Har­der“ Rund­fahr­ten anbie­tet. 2001 war dann auch die­ser Ein­satz­zweck been­det und das Schiff kam auf den Zuger­see, wo es noch heute als „Schwan“ II unter­wegs ist.

4) Chro­no­lo­gie der Alo­se­ner Schif­fer-Prot­ago­nis­ten:

  • Josef Nuss­bau­mer *1900 – 1982 (Inha­ber und Betrei­ber der Äge­ri­see-Schiff­fahrt von 1928 bis 1972)
  • Patriz Nuss­bau­mer *1930, Sohn von Josef, Inha­ber der Boots­werft Nuss­bau­mer Oberä­geri, ab 1972)
  • Patrick Nuss­bau­mer *1964 und Tho­mas Nuss­bau­mer *1973 Söhne von Patriz
  • Hans Meier *1944, Betriebs­lei­ter der Äge­ri­see-Schiff­fahrt von 1972 bis 2003
  • Sonja Meier *1976, Toch­ter von Hans, Mit­ar­bei­te­rin der Äge­ri­see-Schiff­fahrt von 1981 bis heute

5) „Der Holz­boots­bau ist unsere Pas­sion“, ist einer der ers­ten Sätze, die ich im Gespräch mit dem Chef höre, „auch wenn die Mar­gen dort klei­ner sind als bei ande­ren Bau­ar­ten.“ Seine Web­site kommt etwas ver­nach­läs­sigt daher. Spren­ger: „Ja, das ist so. Eigent­lich könnte ich die Home­page abschal­ten, so viel Arbeit steht an.“ Mund-zu-Mund-Wer­bung funk­tio­niert hier opti­mal. Kürz­lich wollte ein Kunde aus Thun die Schiffs-Repa­ra­tur bei ihm machen las­sen. „Um Got­tes-Wil­len, es gibt doch 30 Werf­ten zwi­schen Thun und Nie­der­ur­nen, zehn davon sind auch gut“, ver­suchte er den Neu­kun­den abzu­wim­meln. Aber nein, die­ser besteht dar­auf und gewinnt die Aus­march­ung mit der Zusage, sein Schiff dann jeweils bei Michael Spren­ger auch zu überwintern.

Quel­len

Zur Geschichte der Boote Josy und Mor­gar­ten: Auf­zeich­nun­gen von Albert Zieg­ler, Nidau.

Wei­ter im Text

Rei­se­be­richt: Nau­ti­sche und kuli­na­ri­sche Safari auf dem Äge­ri­see (Link)

Ein­bli­cke in 170 Jahre Schiff­fahrts­ge­schichte der Zuger Seen – eine Aus­stel­lung im Staats­ar­chiv Zug (Link)

Impres­sum

Text H. Amstad

Bild 1 T. Meyer, Bil­der 2, 6 und 7 H. Amstad, Bil­der 3, 4 und 5 Ver­ein MS Mor­gar­ten, Bil­der im Text­teil: 1 und 3 F. Zbin­den, übrige Bil­der im Text­teil H. Amstad

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