Rei­se­be­richt: Vom Bodensee zu den land­schaftlich reiz­vollen Tiroler Stauseen

Der Sommer 21 geht meteo­ro­lo­gisch und wirt­schaftlich (covid­be­dingt) als schwierige Reise- und Feri­en­saison in die Annalen ein. Uns blieb zumindest die Hoffnung, dass das bisher „gepachtete“ Glück mit Prachts­wetter auf all den letzt­jäh­rigen Drei­tages-Schiffs­reisen uns auf der dies­jäh­rigen Drei­tages-Reise zu den Tiroler Seen begleiten würde. Es hat nicht sollen sein… So richtig „ein­ge­lassen“ hat sich der Regen zwar erst am dritten Rei­setag. Unglü­cki­cher­weise kamen für einige Teil­neh­me­rinnen und Teil­nehmer noch gesund­heit­liche (Magen-) Pro­bleme dazu. Trotzdem gab es viele Momente mit Rei­se­glück. Dass das Sprichwort „Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen“ seine Berech­tigung hat, beweist der fol­gende Bericht.

Der Schwer­punkt des ersten Rei­se­tages lag im öster­rei­chi­schen Teil des Rhein­tales und war dem Thema „130 Jahre Rhein­re­gu­lierung“ gewidmet. Massive Über­schwem­mungen von 1888 und 1890 sowie der Druck auf Gewinnung von Kul­turland führten 1892 zum ersten von drei Staats­ver­trägen zwi­schen Öster­reich und der Schweiz, die zum Ziel hatten, den Alpen­rhein zwi­schen Mei­ningen (südlich von Feld­kirch) und dem Bodensee zu „zähmen“ und, wie zu dieser Zeit üblich, zu begra­digen. Damals war in diesem Bereich der Rhein zwi­schen drei und vier, bei Hoch­wasser um die zwölf Kilo­meter breit. Bereits um 1900 wurde das erste grosse Werk der Rhein­re­gu­lierung seiner Bestimmung über­geben: Beim sog. Fus­sacher Durch­stich wurde der Rhein zwi­schen St. Mar­grethen und Rheineck um sieben Kilo­meter ost­wärts Richtung Bregenz ver­schoben und der Flusslauf um eben­falls sieben Kilo­meter ver­kürzt.1

Für dieses und spätere Pro­jekte wurde eine Dienstbahn erstellt, die Arbeiter, Steine vom Kadelberg, Kies und wei­teres Material trans­por­tierte. 1895 stand sie noch unter Dampf.1950 wurde sie elek­tri­fi­ziert und 2008 für tou­ris­tische Zwecke dem Verein Rhein-Schauen über­geben2. Wir bestiegen in Widnau diese Bahn mit Spur­weite 750 mm und fuhren mit einem Extrazug zum Werkhof Lus­tenau. Vom Damm her genossen wir die Aus­sicht auf den Rhein, in die Gärten der Ein­fa­mi­li­en­häuser und auf zahl­reiche Sport­plätze. In Lus­tenau ange­kommen begleitete uns ein Guide durch die neu gestaltete Aus­stellung Rhein-Schauen, die uns die Kom­ple­xität der Rhein­re­gu­lierung vor Augen führte. Dabei erfuhren wir auch, dass im Zusam­menhang mit dem nun gestar­teten nächsten Rhein­re­gu­lie­rungs­projekt Rhesi (Rhein, Erholung, Sicherheit) die aktuelle Anlage der Rhein­dämme mass­geblich anders gestaltet wird. Da diese Rhein­dämme aber das Trassee der Dienstbahn tragen, könnte der Fort­be­stand der Muse­umsbahn gefährdet sein.

Alter Rhein mit MS ex-Höri und MS Rhynegg

Der um 1900 abge­trennte Teil des Rheins zwi­schen St. Mar­grethen und dem Bodensee, der soge­nannte Alte Rhein, war unser nächstes Ziel. Nach wenigen Kilo­metern erreichten wir Gaissau, wo das ehe­malige Reichs­bahn­schiff Höri (ab 1964 als MS Über­lingen unterwegs) als Restaurant abge­stellt ist, und Gäste wie uns bedient. Seit 25 Jahren heissen die Eigen­tümer Hu, die ent­spre­chend ihrer Natio­na­lität seither ein chi­ne­si­sches Restaurant führen, welches weit­herum bekannt ist für seine Küche3. Dies mag ein Grund sein, dass die Küche bei unserer Mit­tags­einkehr zeitlich etwas in Rück­stand geraten war – an diesem gewöhn­lichen Werktag war jeder Platz besetzt.

Das nun stark umge­baute Halb­sa­lon­schiff mit ehe­ma­ligem Dop­pel­schrau­ben­an­trieb hat eine inter­es­sante Geschichte hinter sich: 1927 bei der Bodan­werft erbaut, ersetzte es zusammen mit dem Schwes­tern­schiff Mainau die Rad­dampfer Stadt Über­lingen (I) und Mainau (II). 1944 sank das Schiff im Krieg, nachdem es von Tief­fliegern beschossen und mehrmals getroffen worden war. 1950 kam es umgebaut bis zur Aus­ran­gierung 1969 wieder in Betrieb. Der Segelclub Marina Lindau übernahm das Schiff als Club­lokal. 1978 gelangte es als schwim­mende Gast­stätte an den heu­tigen Ort. 1982 zer­störte ein Brand einen Grossteil der Innen­ein­richtung. Wieder auf­gebaut begann für die ehe­malige «Höri» ihr nächstes «Leben». Seit dem letzten Inha­ber­wechsel 1996 heisst es nun «Hu Bin» (chi­ne­sisch «Schiff von Hu»).

Dank einem sport­lichen Zwi­schen­spurt erreichten alle noch das Kurs­schiff ab Rheineck Richtung Ror­schach. Zum Glück nahm die «Rhynegg» einige Ver­spä­tungs­mi­nuten in Kauf, um auf uns zu warten. Erste Regen­tropfen ver­drängten die mor­gend­lichen Son­nen­strahlen. Rheineck ist mit rund 400 m ü. M. die höchst­ge­legene Schiff­station am Rhein. Eine Info­tafel erklärt: Von hier aus trennen uns 160 km von der Rhein­quelle und 1145 km von der Mündung ins Meer. Die Fahrzeit hinaus zum Bodensee zur Station Alten­rhein dauert 30 Minuten und führt durch eine idyl­lische, natür­liche Fluss­land­schaft. Wenn der Boden­see­piegel unter 395.50 m ü. M. fällt, muss die Schiff­fahrt auf diesem Teil ein­ge­stellt werden. Das kommt besonders im Frühjahr öfters vor, bevor dann die Schnee­schmelze in den Bündner Alpen genügend Wasser in den Bodensee bringt. Unser Schiff brachte uns über den Bodensee nach Ror­schach, wo uns der Bus­fahrer bereits erwartete.

Der Zweite Reisetag

Trotz Corona machte das Reisen nach Vor­arlberg und ins Tirol keine Mühe und wir konnten das Pro­gramm zur Freude unserer gut­ge­launten Rei­se­gruppe ohne jeg­liche Ein­schrän­kungen durch­führen. Aber die Vor­be­rei­tungen waren um ein x‑faches auf­wän­diger als in nor­malen Zeiten. So sagte uns 14 Tage vor Rei­se­beginn bereits das zweite gebuchte Hotel ab, weil sie „behörd­liche Mass­nahmen“ umsetzen mussten und uns wieder „aus­luden“. Das in „letzter Minute“ gefundene Hotel Haus­erwirt in Münster (auf der Anfahrts­strasse von Jenbach in Richtung Achensee4) war dann aber ein Glücksfall. Der Fami­li­en­be­trieb Wagner hiess uns herzlich will­kommen und wies darauf hin, dass unser Wochenende das einzige „Loch“ in ihrer Buchungs­agenda sei. Statt nau­tische Gegen­stände und Schiffe um uns herum waren es für dieses Mal Pferde, die uns beim Nacht­essen durch grosse Fens­ter­scheiben zuschauten und wir ihnen.

Der zweite Rei­setag galt ganz der Achensee-Region. Die Rei­se­teil­neh­me­rinnen und ‑teil­nehmer hatten heute die Gele­genheit das Pro­gramm nach ihren per­sön­lichen Vor­lieben und Mög­lich­keiten zu gestalten. Einzig die Nost­al­gie­bus­fahrt mit einem alt­ehr­wür­digen Ori­ginal-Postauto der PTT auf die Gra­maialm und die abend­liche grosse See­rund­fahrt waren fix gesetzt. Zur Auswahl standen eine Fahrt mit der Kar­wendel-Gon­delbahn, für Tritt­si­chere eine Wan­derung auf einem spek­ta­ku­lären Höhen­uferweg dem Achensee entlang zur Gaisalm, eine Werft­führung oder der Besuch des Tiroler Stein­öl­mu­seums5.

Hubert Wöll, Inhaber eines Sport­ge­schäftes und einer Trans­port­firma in Per­tisau, ist beken­nender Lieb­haber von alten PTT-Post­autos. Deshalb erwarb er wohl den Berna-Bus mit Jahrgang 1959, als dieser auf der Diem­tigtal-Linie im Berner Oberland aus­ran­giert wurde. Mit den bisher 1,8 Mil­lionen Fahr­ki­lo­metern hätte er 45-mal um die Welt fahren können. Wöll unterhält im Sommer mit diesem Bus einen Fahr­plan­be­trieb zwi­schen Per­tisau (Schiff­station) und der Gra­maialm. Dort befindet sich eine nette Frei­zeit­anlage unter anderem mit einem Restaurant, wo wir unser Mit­tag­essen ein­nahmen. Diese Fahrt löste echte Nost­al­gie­ge­fühle aus und erin­nerte mich an die Post­au­to­ver­bindung von Stans nach Beckenried (See­lisberg), wo in den Sech­zi­ger­jahren genau solche Vehikel das länd­liche Stras­senbild prägten. Der heutige Inhaber schaut minutiös darauf, dass nichts ver­ändert wird: Selbst die bei jedem Sitz ange­brachten Aschen­becher ziert das PTT-Logo und defekte Netzlis für die Hut­ablage werden jeweils nach­ge­strickt. Auch vom Chauffeur wird nach alter Väters Sitte ein fein­füh­liges Bedienen des Veterans abver­langt: Vor einer Steigung kurz vor dem Ziel musste er in den ersten Gang schalten, wobei er den rich­tigen Kupp­lungs­punkt mit Gespür treffen musste, damit das Getriebe nicht „chrosed“…

Eine span­nende Werftführung

Im Rahmen des Aus­wahl­pro­grammes begrüsste Roland Hölbling, seit 2020 Betriebs­leiter der Achen­see­schiff­fahrt, Inter­es­sierte für eine Werft­führung. Die Werft besteht aus einem Gebäude mit modern und zweck­mässig ein­ge­rich­teten Werk­stätten und meh­reren Slip-Anlagen, wo er zusammen mit seinem Team die Schiffe jeden Winter aus dem Wasser nimmt. Der Grund? Hölbling: „Da der Achensee (auch) ein Stausee6 ist, senken die Tiroler Was­ser­werke zwecks Strom­pro­duktion den See­spiegel im Winter um bis zu fünf Metern ab.“ Seit 1887 fahren auf diesem land­schaftlich reiz­vollen See Kurs­schiffe. Zwei Jahre später schloss die Dampf-Zahn­radbahn von Jenbach aus den See ans Inntal an. Seit 1924 gehört die Schiff­fahrt der Tiroler Was­ser­kraft AG (TIWAG).

Die Flotte auf dem Achensee besteht aus drei statt­lichen Zwei­deck­schiffen aus dem Hause Öswag bei Linz. Die «Tirol» aus dem Jahr 1995 ein Fas­sungs­ver­mögen von 600 Pesonen. Die «Stadt Inns­bruck», das Schwes­tern­schiff von MS Zug vom gleich­na­migen Schweizer See (Baujahr 2007) ist für 470 Per­sonen zuge­lassen. Das dritte Schiff, die «Achensee», dient in erster Linie als Event­schiff und fasst 500 Leute (Baujahr 2016). Es ist auch das Reser­ve­schiff, falls eines der andern beiden im Kurs­verkehr aus­fällt, wie dies letztes Jahr fast während Wochen wegen eines Getriebe-Schadens bei MS Tirol der Fall war. Noch vor einem Jahr sichtete ich auf dem Achensee das inter­es­sante hol­län­dische Grach­tenboot Tirol, ein Schwes­ter­schiff der «Angelika» auf dem Sihlsee (bei Ein­siedeln) – heute ist es weg. Hölbling: «Das Schiff wurde im Frühling 2021 an den Schiffs­be­trieb Ratz an den Wolf­gangsee ver­kauft.» Roland Bammer und Monika Ratz betreiben die ehe­malige «Tirol» nun als MS Falkenstein.

Als Abschluss ds Tages besteigt die gesamte Rei­se­gruppe die „Stadt Inns­bruck“ und staunt, wieviel Volk bei diesem Hudel­wetter auf dem See unterwegs ist. Den Apéro nehmen wir im vor­deren Hauptdeck-Salon ein und geniessen die Gesel­ligkeit und die vor­bei­fah­rende, nasse Felsen- und Wald­land­schaft des Achensees. Als krö­nenden Abschluss öffnet uns Kapitän Ernst Fan­k­hauser auf der anschlies­senden Son­der­fahrt Tür und Tor, vom Steu­erhaus bis zur Küche, für eine Besich­tigung7.

Die drei Schiffe Inns­bruck, Tirol und Achensee nehmen im Som­mer­halbjahr nahezu 250 000 Fahr­gäste an Bord. Für mich ist es erstaunlich, dass eine alpine Gegend mit dem Aus­gangpunkt Per­tisau mit 750 Ein­wohnern jährlich derart viele Leute auf die Schiffe bringt! Neun Schiffs­kurse in den nörd­lichen Seeteil nach Scho­lastika und sieben Angebote in den süd­lichen Seeteil nach See­spitz, wo bis vor Kurzem ein attrak­tiver Dampf­zahn­radbahn-Anschluss ins Inntal nach Jenbach4 eine Attraktion war, ergeben in Per­tisau 16 Schiffs­ab­fahrten, sozu­sagen alle halbe Stunde ein Schiff. Selbst heute, an einem wirklich unwirt­lichen Tag bei maximal 12 Grad Celsius und wie­derholt hef­tigen Schauern, ist prak­tisch jeder Innen­platz der zwei grossen Dop­pel­deck­schiffe Tirol und Stadt Inns­bruck besetzt. Dabei ver­bindet die Flotte höchst bescheidene Anle­ge­stellen: Auf der Gaisalm, wo eben­falls jedes Schiff hält, steht ein ein­ziges Gebäude (ein Restaurant aller­dings), so auch in See­spitz (die End­station der im Frühling 2022 wieder fah­renden Achen­seebahn) und in Buchau gar keines.

Aller­dings liegt das Atoll, eine grössere, moderne Frei­zeit­anlage mit Schwimmbad und Wellness, einem Spiel­platz mit dem ehe­ma­ligen MS St. Benedikt (seit 2018 neu genutzt) und vielem mehr, bloss 15 Geh­mi­nuten von der Schiff­station Buchau ent­fernt. Welche “mys­tische“ PR-Firma wirkt da „Wunder“ oder macht so raf­fi­nierte Werbung, dass andere Seen etwas daraus lernen könnten? Betriebs­leiter Roland Hölbling: „Das hat eine his­to­rische Kom­po­nente. Der Gegend gelang es, das seit Jahr­zehnten gute Image durch inno­vative Angebote und vor allem einer breit auf­ge­stellten und attrak­tiven Hotel­lerie zu pflegen. Besonders in die Infra­struktur der Hotels wurde neulich viel inves­tiert, was sich nun auszahlt.“

Der dritte Rei­setag: Unbe­kannter Hei­ter­wanger- und Plansee

Auf der Rück­reise in die Schweiz, per Bus von der Murer-Reisen Baar, machten wir noch zwei nau­tische Abstecher. Der erste führte uns zum und auf den Hei­ter­wanger- und Plansee. Auch diese zwei Seen sind, wie der Achensee, Stau­ge­wässer und mit hoch­al­pinem Cha­rakter. Ein 1908 her­aus­ge­gra­bener ein Kilo­meter langer Kanal ver­bindet die beiden Seen. Nur auf der Nord­seite des Plansees befindet sich eine Strasse. Die Süd­seite und die Ufer des Hei­ter­wan­gersees sind lediglich über Wan­derwege erreichbar. Bei beiden Seen handelt es sich um eine noch weit­gehend unbe­rührte Natur. Mit Aus­nahme der drei Hotels an den drei Schiffs­sta­tionen sind die Seeufer unverbaut. Das Unbe­rührte zwi­schen den Bergen schafft hier eine ganz besondere Atmo­sphäre und lockte trotz Regen viele von uns aufs Oberdeck des MS Margrethe.

Heute ver­kehren auf dem See zwei Schiffe: nebst der «Mar­grethe» noch MS Wilhelm. Sie sind bereits die Nummer 9 und 10 auf der his­to­ri­schen Flot­ten­liste und tragen die Namen der Eltern der Inha­ber­fa­milie Bunte, denen auch das Hotel Fischer am See gehört. Zwi­schen 10.10 Uhr und 16.20 fahren beide Schiffe drei Mal in je rund zwei Stunden die beiden Seen ab. Mit kriegs­be­dingten Unter­brüchen ver­kehren auf den beiden Seen seit 1906 Kursschiffe.

Der zweite nau­tische Zwi­schenhalt auf unserer Heim­reise steht dann in Fried­richs­hafen auf dem Pro­gramm. Unser Bus fährt «just in time» etwas nach 16 Uhr in der Zep­pe­lin­stadt auf die Fähre Romanshorn. Die 40-minütige Über­fahrt nutzen wir für ein heisses Getränk und um die erleb­nis­reiche Reise Revue pas­sieren zu lassen und Adieu zu sagen, denn in Romanshorn ver­lassen uns die ersten Gäste Richtung Bahnhof.

Der wol­ken­ver­hangene Achensee von der Gondel der Kar­wendel Bergbahn aus mit Blick auf Pertisau

Das Wetter tat der guten Laune auf der Son­der­fahrt eines Berna-Buses (1959) keinen Abbruch. Rei­se­leiter Andreas von Deschwanden begrüsst unseren Fahrer (und Inhaber des Buses) Hubert Wöll.

Grup­penbild vor der Felswand des Sonn­jochs bei der Gramai Alm

Roland Hölbling ist Betriebs­leiter der Achensee-Schiff­fahrt und führte uns durch die Werft.

Zwi­schen dem Hin­ter­grundbild, auf dem Werft­ar­beiter vor der neu zu bau­enden „Stella Maris“ (später in „Stadt Inns­bruck“ unbe­nannt) posieren und einer Teil­gruppe unserer Schiffs-Agentur-Reise liegen 111 Jahre…

Kapitän Ernst Fan­k­hauser zeigt uns auf der Son­der­fahrt von der Gaisalm nach See­spitz das impo­sante Natur­schutz­gebiet des Natur­parkes Kara­wendel, mit 727 km2 das grösste seiner Art im Tirol.

Ein auf dieser Reise sel­tenes Ereignis foto­gra­fisch fest­ge­halten: ein blaues Wol­kenloch am alpinen Hei­ter­wan­gersee während unsere Rei­se­gruppe die „Mar­grethe“ (Werft Molenaaar Holland) besteigt.

Land­schaft­licher Höhe­punkt der Reise: die Kanal­fahrt vom Hei­ter­wanger- zum Plansee auf rund 1000 m ü. M.

Bilder im Textteil: Gemüt­liche Runde beim Apéro im Vor­der­salon des Achensee-Schiffes Stadt Inns­bruck, dem Schwes­ter­schiff vom MS Zug des Zugersees.

Auch in diesem Jahr koope­rierten die beiden Unter­nehmen Murer-Reisen und die Schiffs-Agentur erfolgreich.

Ein Geheimtipp: Schiff­fahrten auf dem Plansee.

MS Wilhelm (Werft Linz) kreuzt uns auf dem Plansee.

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Am Schluss des Blogs ist Ihr Kom­mentar willkommen.

Hin­weise

1) Die Rhein­re­gu­lie­rungs­ar­beiten dauern bis heute an. Ein zweites Gross­projekt brachte 1923, nach 14 Jahren Bauzeit, den Die­bold­sauer Durch­stich. Danach musste kor­ri­giert werden: Das neue Flussbett war zu breit geraten, was zu mas­siven Abla­ge­rungen im Flussbett und dadurch zur Anhebung der Fluss­sohle mit neuen Über­schwem­mungen führten. Also wurde um 1960 das Flussbett ein­geengt, damit die stärkere Strömung das Geschiebe zum Bodensee hinaus trans­por­tiert. Um die Ver­landung der Harder- und Fus­sacher-Bucht zu mini­mieren, sind seit 1985 weitere Arbeiten im Gang, die bis heute andauern. Kürzlich ist ein wei­teres Gross­projekt unter dem Namen Rhesi (Rhein, Erholung, Sicherheit) gestartet worden, wo die Vor­teile der Rena­tu­rierung für ein öko­lo­gi­sches Gleich­ge­wicht genutzt werden sollen.

2) Für den Muse­ums­be­trieb umfasst der Fahr­zeugpark heute fünf Die­sel­lo­ko­mo­tiven, drei Elektro-Diesel-Loko­mo­tiven und zwei Dampf­lo­ko­mo­tiven: die 1920 bei Maffei gebauten «Liesl» und «Widnau» (ehemals «St. Gallen», Baujahr 1910, von der Loko­mo­tiv­fabrik Arnold Jung). Von der Tro­ge­nerbahn wurden die Per­so­nen­wagen 11 bis 13 über­nommen. Die 1954/55 gebauten Fahr­zeuge stammen ursprünglich von den «Trans­ports publics de la région lau­san­noise» (TL). Sie sind 13,54 m lang und weisen 32 Plätze auf.

3) Das öster­rei­chische Spe­zia­li­tä­ten­re­staurant ist von der Schweiz aus einfach zu erreichen: Bem SBB-Bahnhof Rheineck die Perron-Unter­führung nehmen und auch die Autobahn unter­queren; nach der Unter­führung nicht nach links zum Kurs­schiff gehen, sondern nach rechts Richtung Gaissau (fluss­auf­wärts); nach 300 m links die Rhein­brücke über­queren. Unmit­telbar danach befindet sich wie­derum links das Restau­rant­schiff Hu Bin am öster­rei­chi­schen Ufer, etwas ver­steckt hinter den Ufer­bü­schen. Rückweg mit dem SBS-Schiff ab Rheineck im Sommer um 13.10 Uhr oder 15.50 Uhr; Geh­di­stanz zum SBS-Schiff ca. 15 Minuten (gleicher Weg zurück).

4) Allzu gerne hätten wir auch eine Fahrt mit der welt­be­rühmten Dampfbahn, die vom Bahnhof Jenbach zur Schiff­station See­spitz am Achensee führt, in unsere Reise ein­ge­plant. Doch poli­tische Pro­zesse ver­hin­derten eine zeitlich spe­ditive Sanierung des Trassees, das in die Jahre gekommen und in den letzten Jahren man­gelhaft unter­halten worden war. Der Betriebs­leiter der Achensee-Schiff­fahrt Roland Hölbling bedauert, dass nun die Bahn bereits das dritte Jahr still­steht: „Dieses Desaster kostete uns pro Jahr kon­ser­vativ geschätzt 20 000 Pas­sa­giere“, ärgert er sich. Doch besteht die Hoffnung, dass sie im kom­menden Sommer 2022 wieder fährt. Der Betriebs­leiter: „Mit Sai­son­start am 30. April 2022 begegnen sich wieder die Züge mit den Schiffen und das mit einem abge­stimmten Fahrplan wie zur Grün­derzeit der Unter­nehmen. Wir freuen uns schon auf die erste Zusam­men­kunft in Seespitz.“

5) Eine Reise nach Per­tisau ohne Besuch des Stein­öl­mu­seums ist wie ein Besuch eines Asiaten in Luzern ohne Abstecher zu Bucherer oder zum Löwen­denkmal. Die kleine, aber feine Aus­stellung über die Geschichte des gesund­heits­för­dernden Steinöls endet mit einem infor­ma­tiven Film und dem obli­gaten Ver­kaufs­laden, den man aber auch ohne Pro­bleme unge­achtet ver­lassen kann. Wer aber hier Schön­heits- und Well­ness­pro­dukte kauft und daheim ver­schenkt, ist sich der berei­teten Freude auf sicher.

Im Jahr 1902 stiess Martin Albrecht am Seeberg, nahe an der Gaisalm am Achensee, auf Ölschiefer. Mühevoll wurde das Material von Hand abgebaut, zer­kleinert und aus­ge­brannt (durch Hitze flüssig gemacht). Das Produkt war Steinöl, das dem Erdöl gleicht, aber zu the­ra­peu­ti­schen und kos­me­ti­schen Zwecken ver­wendet wird. Trotz mehr­fachen Rück­schlägen gibt es die Stein­öl­pro­duktion noch heute, dies in der vierten Generation Albrecht.

6) Wo ist beim Achensee „unten“ und wo „oben“? „Gar nicht so einfach zu beant­worten“, ant­wortet uns auf der Son­der­fahrt mit MS Stadt Inns­bruck der Kapitän Ernst Fan­k­hauser, „sowohl als auch…“. Vor der Stauung 1927 ent­wäs­serte sich der Achensee aus­schliesslich in Scho­lastika über die Seeache, also im Norden des Sees nord­wärts; das Wasser fliesse durch die Ache, die dann in die Isar münde und später bei Deg­gendorf in die Donau, erklärt er. „Die Achen­see­kraft­werke, denen auch unsere Schiffe gehören, führen nun seit 1927 im Süden des Sees, zwi­schen See­spitz und Per­tisau das Wasser haupt­sächlich durch einen Druck­stollen mit 375 m Fallhöhe süd­wärts in den Inn.“ Also hat der Achensee zwei Ausflüsse.

7) Damit fehlt dem See eine kleinere Einheit für Dienst- und Son­der­fahrten für kleinere Gruppen. Könnte das die Chance für die «St. Joseph» sein, die seit 2015 win­ter­sicher ein­ge­packt auf dem Werft­areal her­um­steht? Roland Hölbling: «Es bleibt Gott sei Dank erhalten und für die nächste Zeit gut geschützt im Werft­ge­lände abge­stellt.» Bleibt zu hoffen, dass die TIWAG mit Unter­stützung des Landes Tirol daraus ein Bijoux macht. Immerhin ist die «St. Josef» mit Jahrgang 1887 das aller­erste auf dem Achensee und zugleich das älteste Pas­sa­gier­schiff Österreichs.

Quellen

Auf­zeich­nungen während der Reise durch Andreas von Deschwanden und Recherchen des Autors

Weiter im Text

Einen ein­drück­lichen, sehens­werten Film (18 Min.) zeigt die Arbeiten aus der Zeit der zweiten Rhein­re­gu­lierung von 1930 inkl. Bildern über den Dampf­be­trieb des Rheinbähnle Link

Schiffs­re­staurant Hu Bin Link

Impressum

Text und Bilder H. Amstad

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