Auf­atmen in Dresden: Schweizer Firma von Robert Straubhaar rettet die grösste Damp­fer­flotte der Welt

Schiffs­eigner, Ree­de­reien, Rei­se­ver­an­stalter und Behörden in der Fluss­kreuz­fahrt und der Bin­nen­schiff­fahrt kennen seinen Namen durch viel­fältige und modulare Dienst­leis­tungen von der River Advice her. Die Zen­tral­schweizer haben gute Erin­ne­rungen an ihn als ehe­ma­liger CEO des KKL in Luzern und die Rhein­länder kennen ihn von seinem Enga­gement, als er 2016 die tra­di­ti­ons­reiche KD (Köln-Düs­sel­dorfer Schiff­fahrts­ge­sell­schaft) mit ihren 13 Schiffen über­nommen hat. Auf den welt­weiten «Radar» aller Damp­fer­freunde hat ihn in diesem August die Meldung gebracht, dass sein Unter­nehmen UNITED RIVERS AG (Mut­ter­ge­sell­schaft von River Advice) die Säch­sische Dampf­schiff­fahrt aus der Insolvenz führt und er damit seit dem 1. Sep­tember 2020 das Ruder der SDS über­nimmt. Sein Name: Robert Straubhaar, in Ober­schwanden bei Brienz auf­ge­wachsen, heute in Muttenz wohnhaft und von Basel aus ope­rierend, vom Rhein­ma­trosen zum inzwi­schen mäch­tigsten Mann in der inter­na­tio­nalen Bin­nen­schiff­fahrts-Szene her­an­ge­wachsen. Wer ist Robert Straubhaar? Ist er die Schweizer Ausgabe von Aris­to­teles Onassis? Oder ein Roman­tiker mit einer Tel­ler­wä­scher-Kar­riere? Wer mit ihm zu tun hat weiss schnell: weder noch.

Sein Cha­risma ver­bindet sich mit Tugenden und Werten, die er von seiner Mutter vor­gelebt und gelernt hat: «Höf­lichkeit, Anstand, Neugier». Der Vater war Bri­enzer Holz­schnitzer und Bild­hauer. «Wir mussten im Winter täglich ein Schiitli Holz in die Schule mit­bringen, damit die Leh­rerin den Ofen im Schul­zimmer ein­heizen konnte». Dieses Bild hat Robert Straubhaar nach­haltig vor Augen und erklärt einen Teil seines Lebens­skripts, dorthin zu gelangen, wo er heute steht. Die Ober­stufe in Brienz erlebt er mehr schlecht als recht: «Musik, Turnen, Mathe­matik, das inter­es­sierte mich, der Rest demo­ti­vierten mich böse Lehrer.» Heute kom­mu­ni­ziert er trotzdem in fünf Sprachen. Forstwart sollte er lernen. «Zum Glück ging ich zum Berufs­be­rater, der mir mit einer Art Kärtchen-Spiel den Horizont mög­licher anderer Berufe eröffnete.» Bei der Karte «Rhein­schiffer» blieb er hängen. «Das Fernweh packte mich und es war stärker als die wohl­be­hütete Umgebung von Brienz.» Sein Mut für neue Wege begleitet Straubhaar bis heute.

Nach der Schnup­per­lehre ist der Ent­scheid gefallen. Auf der «Leventina» beginnt er 1977 die Schiff­fahrts­schule zum Rhein­schiffer, hin bis zum Kapi­tän­s­patent (1984). «Ich bin neu­gierig und Lernen ist für mich spannend und lustvoll». Auf solchen Lern­sta­tionen war er unter anderem in Rot­terdam (Seaport Manager), Nizza (Sprachen), Basel (Forward Edu­cation), St. Gallen (HSG), Boston (Tour Ope­rator-Training), Aarau (Gas­tro­nomie Zer­ti­fikat) und Miami (Ship Management) unterwegs. Mit «Ich gehe auf­merksam durch die Gegend» meint Robert Straubhaar auch die Acht­samkeit, die er sich und dem Leben zumutet und grosse Bedeutung beimisst.

Ich wollte ein span­nendes Leben

Am 3. Juni 2020 ging die Säch­sische Damp­fer­flotte Konkurs. Die letzten zwei Jahre mit Nied­rig­wasser und der Corona-Shutdown im 2020 brachen dem schon seit Jahren kri­selnden Schiff­fahrts­un­ter­nehmen «das Genick». Die Banken gaben keine wei­teren Kredite mehr. Der Frei­staat Sachsen, also die öffent­liche Hand, hatte bislang einen Akti­en­anteil von 51 % und damit eigentlich das «Sagen». Dessen Enga­gement wirkte in der Ver­gan­genheit eher «bescheiden» und beschränkte sich immerhin in der schwie­rigen Insolvenz-Phase darauf, die Löhne der Mit­ar­bei­tenden bis Ende Saison zu zahlen und damit die Saison 2020 der weltweit grössten und ältesten Damp­fer­flotte zu retten.

Heute weiss man, dass Sachsen trotz der Akti­en­mehrheit ver­traglich die Hände gebunden war: CEO Karin Hil­de­brand besass ver­traglich eine Sperr­mi­no­rität1 und damit fak­tisch ein Veto­recht. Warum? Nach der Wende kaufte die Münchner Conti-Finan­zie­rungs­ge­sell­schaft 1992 die damalige Weisse Flotte Dresden von der Treuhand. Klaus Hil­de­brand, der Ehemann von Karin, war hier trei­bende Kraft (und mit 25 % Kapi­tal­anteil der grösste Einzel-Kom­man­ditist). Er selber leitete von München aus die SDS, ab 1996 zusammen mit Michael Lohnherr, der vor Ort anwesend war. Nach dem Tod von Klaus Hil­de­brand 2010 gingen die Anteile an Karin Hil­de­brand über – ab 2015 macht sie sich selber zum CEO. Die übrigen 498 Teil­haber2 (Kom­man­di­tisten mit 18,3 Mil­lionen Euro und 49 %) machten seither – auch öffentlich – nie einen Hehl daraus, diese Vor­ge­hens­weise zu ver­ur­teilen.3

In solch schwie­rigen Situa­tionen erhofft man sich einen ret­tenden Engel herbei. Der konnte aber erst in Dresden «ein­fliegen», nachdem ein radi­kaler Schnitt pas­siert ist: der Konkurs. Nach einer Insolvenz werden auto­ma­tisch alle Ver­träge gelöscht. So kann – min­destens was die kom­plexen Besitz­ver­hält­nisse betrifft – UNITED RIVERS mit einem weissen Papier beginnen. Wenn Robert Straubhaar beruflich etwas Neues anpackt, dann will er eine von zwei Fragen mit «ja» beant­worten: «Braucht das jemand? Oder: Kann ich damit ein Problem lösen?» Im Falle der SDS war die Art der Frage und die Antwort ein­deutig. Im Juni 2020 ver­nimmt UNITED RIVERS das erste Mal von den Pro­blemen, im Juli führt Straubhaar in Sachsen erste Gespräche, im August gründet er in Dresden zwei Firmen und am 3. Sep­tember wird die SDS über­nommen. Robert Straubhaar weiss, worauf es ankommt: «Mut, ein klares Konzept und Geschwin­digkeit,» lautet sein Credo.

Was sind die Treber für den sechs­fachen Fami­li­en­vater, solch ver­rückte Dinge zu tun? Was steckt hinter der Aussage «Ich liebe Her­aus­for­de­rungen»? Seine Antwort: «Zum einen wollte ich schon immer ein span­nendes Leben führen.» Das andere Motiv lässt sich nicht in einem Satz beschreiben, obwohl Robert Straubhaar sonst solche Reduk­tionen gerne mag («Gute Kon­zepte haben auf einer Seite Platz.»). Sein Streben nach Erfolg und finan­zi­eller Unab­hän­gigkeit hat etwas zu tun mit erlebten exis­ten­zi­ellen Fragen, die er stets als Her­aus­for­derung empfand und nicht als Bedrohung, wie er glaubhaft darlegt. Das Bild mit den «Holz­schittli» kommt mir in den Sinn. «Ich erschrak, als ich im Leben zum ersten Mal merkte, wie wichtig doch Geld ist.». Nach seiner Scheidung stand er (für kurze Zeit) 1998 vor dem mate­ri­ellen Nichts. «Diese Her­aus­for­derung hat mich schon zünftig ange­trieben», sagt er mit einem dank­baren Strahlen in den Augen.

Erfinder der White-Label Ser­vices in der Binnenschifffahrt

Seine ziel­stre­bigen Erfolge führen seit der ersten ver­ant­wor­tungs­vollen Stelle als Betriebs­leiter bei der SRN (Schwei­ze­rische Ree­derei & Neptun AG) über ver­schiedene Ree­de­reien zur eigenen Firma UR (UNITED RIVERS). Dabei spielt für ihn das Militär eine bedeu­tende Rolle – immer wieder nimmt er Bezug auf dieses für ihn lebens­prä­gende Lernfeld. Im Grad Oberst­leutnant (heute a.D.) war er sechs Jahre Kom­mandant der Pon­tonier-Stabs­kom­pagnie 25, nachher noch vier Jahre des Pon­tonier-Bataillons 25. Hier eignete er sich Füh­rungs- und Stra­te­gie­kom­petenz an. Straubhaar war bei den Vor­ge­setzten mit seiner Ziel­stre­bigkeit und Freude am schnellen Umsetzen nicht immer nur beliebt. «Umso mehr aber bei der Truppe», erinnert er sich gerne an diese Zeit. «Mit exakt dem gleichen posi­tiven Team­geist erreichen wir auch heute bei UNITED RIVERS und den Toch­ter­ge­sell­schaften im Team die anspruchs­vollen Ziele,» ist Robert Straubhaar überzeugt.

Beruflich zog es ihn trotz inter­es­santen «Aus­flügen» zu Feld­schlösschen oder zum KKL immer wieder zurück zum Wasser. Die Bei­spiele sind viel­fältig und hier unvoll­ständig auf­ge­listet. So hat er früh mit der KD zu tun, die ihre Flotte 1997 zur KD Triton AG nach Basel brachte und Straubhaar als CEO diese dann im Jahr 2000 in die Viking River Cruises über­führen musste (und schliesslich damit seinen Job selber auf­löste). Als Leiter des Start-up-Unter­nehmens Global River Cruise baute er im Auftrag der ame­ri­ka­ni­schen Uniword Group Los Angeles 2002/03 diese Ree­derei auf. Es folgte die Berufung als CEO der Grand Circle Cruise Line (Boston), von Basel aus 15 Fluss­kreuz­fahrt­schiffe zu betreiben. «Als es dann eines Tages hiess, der euro­päische Sitz werde jetzt von Basel nach Dubrovnik verlegt, war der Zeit­punkt gekommen, mich selbst­ständig zu machen. Meine zum zweiten Mal gegründete Familie dorthin zu ver­pflanzen kam nicht in Frage.»

2004 gründet er River Advice. «Der Name war Pro­gramm» und der Start harzig, wie er rück­bli­ckend fest­stellt. «Wir arbei­teten Tag und Nacht». Sein erster Kunde war Avalon Waterways aus Denver USA. «Die Lern­kurve war aber enorm und innert kür­zester Zeit ent­wi­ckelt sich die Firma zum Kom­pe­tenz­zentrum.» Einer der Schlüssel zum Erfolg ist das Prinzip des White-Label4, das River Advice als erste Firma in der Fluss­kreuz­fahrt ange­boten hat: «Da steht bei­spiels­weise TUI drauf und drin ist UNITED RIVERS». Schiffsbau, Nautik, Technik, Gas­tro­nomie, Per­sonal, Dienst­leis­tungen werden von grossen Rei­se­an­bietern (Tour-Ope­rator) unter ihrem Namen ange­boten, wie z.B. Nicko Cruises, Thurgau Travel, das Rei­sebüro Mit­tel­thurgau, die bri­tische Riviera, die Vantage de Luxe Travel aus Boston oder die US-Gruppe Globus-Cosmos, doch betrieben werden sie ope­rativ durch UR.

Heute ist Robert Straubhaar CEO und VR-Prä­sident des Kon­zerns UR (UNITED RIVERS AG Basel), dar­unter mehrere Firmen mit rund 100 Fluss­kreuz­fahrt-Schiffen5 im Management, 27 eigenen Fahr­gast­schiffen im Tages­aus­flugs­sektor (KD, SDS, OD) und wei­teren 19 Fluss-Kreuz­fahrt­schiffen als Eigen­tümer unter dem Brand STARLING FLEET. UR erwirt­schafte im 2019 mit ca. 3 000 Mit­ar­bei­tenden und 85 eigenen Schiffs­an­legern einen Umsatz von rund 250 Mil­lionen Euro. Trotz Bemühen begreife ich die kom­mu­ni­zierte Struktur seines heu­tigen Kon­zerns UNITED RIVERS AG Basel nicht auf Anhieb. Doch im Leitbild lese ich die Fir­men­werte «trans­parent, modular, kom­petent, fair». Robert Straubhaar schwingt sich zum Flip­chart und visua­li­siert die Struktur auf klare Weise (siehe Bild 5).6

Ich wollte Fakten schaffen

Zurück zum Thema SDS: Die säch­si­schen Insol­venz­gremien haben drei Bewerber in die engere Auswahl genommen. Noch bevor der Ent­scheid fällt, ist Robert Straubhaar mit zwei unge­wöhn­lichen Vor­ge­hens­weisen an die Öffent­lichkeit getreten. Zum einen sucht er aktiv die Koope­ration mit der lokalen Damp­fer­freunde-Bewegung. Offen­sichtlich kennt er den Mecha­nismus (und die Macht) der Damp­fer­be­we­gungen aus der Schweiz. Ent­spre­chend zeigte sich der Vor­stand und der Sprecher des Vereins «Weisse Flotte Dresden – Freunde der Säch­si­schen Dampf­schiff­fahrt e.V.», Dirk Ebersbach, begeistert von den Absichten der Basler Firma. Emotion und Offenheit – sie sind spe­ziell in der Schiff­fahrt ein wich­tiger Faktor zum Gelingen grosser Pro­jekte – waren damit schon mal auf der Seite des Schweizer Ange­botes. Zum andern gründete Straubhaar in Dresden zwei Firmen: die «WEISSE FLOTTE SACHSEN GmbH» und die «Kul­turerbe Dampf­schiffe Dresden GmbH», auch dies vor dem «Zuschlag».

«Das war mein Com­mitment. Wir wollten Fakten schaffen. Halb­herzig liegt mir nicht.» Die Firma «WEISSE FLOTTE SACHSEN GmbH» ist die Betrei­berin (Ree­derei) der neuen SDS und ist besorgt, dass vom Schiffs­be­trieb bis zum Rech­nungs­wesen alles rund läuft. Dieser Firma gehören auch die zwei Die­sel­mo­tor­schiffe August der Starke und Gräfin Cosel. Straubhaar schliesst nicht aus, die beiden Schiffe mit­tel­fristig durch neue zu ersetzen wie dies sein Betrieb in Köln bei der KD in den letzten Jahren eben­falls umge­setzt hat. Die Firma «Kul­turerbe Dampf­schiffe Dresden GmbH» ist eine Toch­ter­ge­sell­schaft der WEISSEN FLOTTE SACHSEN GmbH. Ihr gehören die neun Rad­dampfer. Straubhaar: «Ein Beirat mit Damp­fer­virus soll als ‘Wäch­terrat’ über die his­to­rische Flotte für stets fach­ge­rechte Reno­va­tionen wachen und sollte jemals Geld knapp werden – als «Götti» agieren!»

Der grosse Wurf kommt im 2022

In Dresden stehen Her­kules-Auf­gaben an. Und: die Erwar­tungen sind all­seitig hoch, ins­be­sondere von der Öffent­lichkeit und von den Tou­ris­mus­partnern. Der Fahrplan wurde in den letzten Jahren suk­zessive abgebaut, die land­schaftlich schönen Fahrten ins Wein­gebiet nach Seussliz im Corona-Sommer ganz gestrichen und die Perle «Säch­sische Schweiz» nur noch sehr spärlich bedient. Eine eigent­liche Negativ-Spirale setzte ein: weniger Angebote führten zur wei­teren Reduktion der Fre­quenzen und somit zu ver­min­derten Ein­nahmen, gepaart noch wie ein­gangs erwähnt mit zwei Nied­rig­wasser-Sommern. Zum andern ist der tou­ris­tische Stand­ort­vorteil von Dresden augen­fällig. Das «Elb­florenz» hat drei Mal mehr Über­nach­tungs­zahlen von Gästen als Luzern (wo bis 2 bis 3 Mil­lionen Men­schen pro Jahr ein Schiff besteigen gegenüber heute rund 500 000 in Dresden) und die Elbe ist in Dresden so prä­gnant und iden­ti­täts­stiftend wie die Frau­en­kirche, die Sem­peroper und der Zwinger.

Der UNITED RIVERS-Ver­trauter und GL-Mit­glied Stefan Bloch, ein gebür­tiger Sachse aus Kamenz, wird in einer 1. Phase vor Ort die SDS leiten. Weiter äussert sich Straubhaar zu den nächsten Schritten: «Im 2021 setzen wir drei Mass­nahmen um. 1. Wir bauen einen Stu­fen­fahrplan, der sich dem Was­ser­stand der Elbe anpasst. Bei Nor­mal­pegel fahren wir einen im Ver­gleich zu 2020 bereits aus­ge­bauten Fahrplan. Bei schlechtem Was­ser­stand bekommen die Rund­fahrten ab Dresden und Pirna eine grössere Bedeutung und bei Nied­rig­wasser sind es Events und Anlässe vor Ort, die die Schiffe beleben sollen. 2. Der Breite und Tiefe des kuli­na­ri­schen Angebots und dem Service werden wir deutlich mehr Raum geben als bisher. 3. Die Mit­ar­bei­tenden wollen wir viel mehr als bisher in die Planung ein­be­ziehen, deren grosse Erfahrung muss unbe­dingt ein­fliessen. Wir wollen aus­bauen und deutlich mehr Präsenz zeigen. Der grosse Wurf kommt aber erst im 2022. Dabei sind auch ein­zelne Fahrten nach Hamburg, Berlin und Prag durchaus ein Thema», lässt sich Straubhaar in die Karten blicken.

Robert Straubhaar ver­blüfft die Dresdner. Zitat der Säch­si­schen Zeitung: «Trotz dem wirt­schaft­lichen Schwer­ge­wicht wirkt der 59-jährige bescheiden, wenn er auf­steht und auf Jour­na­lis­ten­fragen ant­wortet. Sein Schweizer Akzent macht seine Worte freundlich, schafft Nähe und ist ver­bindlich.» Das Bild ent­stand im Kon­fe­renzraum der UNITED RIVERS an der Nau­en­strasse in Basel, im Hin­ter­grund ein Projekt eines Hotel­schiffes auf dem Bodensee (Straubhaar: «Das Ende der Bodan­werft war auch vorerst das Ende dieses Projektes»).

Die Freude ist auch bei den Mann­schaften der SDS spürbar über die Wahl des Schweizer Zuschlages; spontan hiessten sie inof­fi­ziell die rot-weise Flagge auf den Schiffen, hier an Bord der «Stadt Wehlen».

Das Ter­ras­senufer in Dresden, heute noch leider durch starken Auto­verkehr beein­trächtigt, hat das Potential zum tou­ris­ti­schen Weltklasse-Hotspot.

Erste Flot­ten­parade für Robert Straubhaar: am 3. Oktober 2020 holte die SDS die wegen Corona ver­schonene Parade vom 1. Mai nach.

Robert Straubhaar stellt sich mit Offenheit und Dia­log­be­reit­schaft gegen das Risiko der Intrans­parenz, die durch die Vielzahl seiner Firmen und durch das Geschäfts­modell der White-Labels ent­stehen kann. «Die Glo­ba­li­sierung ist auch in der Bin­nen­schiff­fahrt angekommen.»

Eines seiner 27 Fahr­gast­schiffe: MS Mosel­prinz in Cochem gehört zur KD und fuhr bis 2018 als «Läl­le­könig» bei der Basler Per­so­nen­schiff­fahrt. Robert Straubhaar war zwi­schen 2003 und 2012 VR-Prä­sident der BPG.

Fas­zi­nation Fluss­fahrten: über 100 Schiffe wie die «Excel­lence Queen» oder «Thurgau Prestige» (Vor­der­grund) fahren unter dem Management der United Rivers (Main 22. Juli 2020).

Hinter dem Erlebnis Schiff­fahrt steckt ein grosses Knowhow von UNITED RIVERS, Straubhaar und seinem Team (an Bord MS Excel­lence Pearl auf der Mosel 7. Sept. 2020)

Bild 4 UR Basel, Text und übrige Bilder H. Amstad

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Hin­weise

1) Mit Sperr­mi­no­rität bezeichnet man die Mög­lichkeit einer Min­derheit, bei Abstim­mungen einen bestimmten Beschluss zu verhindern.

2) Die meisten Kapi­tal­geber leben im süd­deut­schen Gebiet, weil die Firma Conti von München aus ope­riert. Bloss 14 Kom­man­di­tisten stammen aus dem Osten Deutsch­lands, wie die Säch­sische Zeitung am 2.9.2020 zu berichten weiss. Die Höhe der Ein­lagen betrage zwi­schen 3 200 und 1,3 Mil­lionen Euro. Laut der Zeitung werden sie ihr Geld nicht mehr sehen, ja es drohe lt. Para­graph 172 des Han­dels­ge­setz­buches im schlimmsten Fall sogar eine Rück­zah­lungs­pflicht erhal­tener Divi­denden. «Ins­gesamt waren das rund 10 Mil­lionen Euro. Das Geld floss sogar noch, als die Gesell­schaft bereits 2010 erstmals bilan­ziell über­schuldet war,» weiss die Zeitung zu berichten.

3) Mit der Über­nahme der SDS wie­derholt sich eine Geschichte aus dem Jahr 2016. Ein Blick zurück: 1993 über­nimmt die Pre­micon-Finan­zie­rungs­ge­sell­schaft (und Ree­derei) München unter Klaus Hil­de­brand die Köln-Düs­sel­dorfer (KD). Viele Expe­ri­mente führen das Unter­nehmen suk­zessive in die Sack­gasse: der Bör­sengang, die Aus­la­gerung der Flotte nach Luxemburg, der Flag­gen­wechsel zu Malta, der unver­ständ­liche Umbau des letzten Rhein­dampfers Goethe in ein Die­sel­schiff, der Verkauf sämt­licher Fluss­kreuz­fahrt­schiffe (mit legen­dären Ein­heiten wie Hel­vetia, Deutschland, Bri­tannia etc.) an die Viking usw. Nach dem Tod von Klaus Hil­de­brand 2010 über­nimmt das Ruder der KD seine Ehefrau Karin. 2016 ist die KD fak­tisch am Ende und die damalige River Advice von Robert Straubhaar über­nimmt. «Man kennt sich».

4) Der Begriffe White Label (engl. für «Weisses Etikett») bezeichnet Pro­dukte, die nicht unter der eigenen Marke, sondern als (schein­bares) Produkt eines anderen Her­stellers bzw. Händlers ver­kauft werden.

5) Quan­ti­tativ sind dies fol­gende Tages­aus­flugs­schiffe (allesamt im Eigentum der UR): 14 KD, 11 SDS, 2 OD (Ocean-Diva mit Sitz in Düs­seldorf im Fahr­gebiet Rhein Deutschland, Holland und Belgien). Die UR betreut das Management fol­gender Kabi­nen­schiffe: 15 Avalon, 10 Scenic, 8 Excel­lence, 8 Nicko. 6 Thurgau Travel, 6 Emerald, 5 Gate1 und diverse kleinere Anbieter. Zusätzlich kommen 19 eigene Schiffe von der STARLING FLEET dazu.

6) Die Kon­zern­struktur der UR hat drei Haupt­stränge: 1. Tages­aus­flugs­schiffe mit den drei Firmen SDS, KD und OD (zusam­men­ge­fasst unter der RIFERO AG, Basel). 2. Ser­vices (Beratung, Ree­de­rei­ma­nagement, Crew­ma­nagement, Nautik, Technik, Schiffs­zer­ti­fikate, Rou­ten­planung, Catering, Gas­tro­nomie und Hotel­service, Schiffs­fi­nan­zierung, Sicherheit, Havarie- und Ver­si­che­rungs­ma­nagement sowie Planung, Neubau- & Umbau­be­gleitung. Zusam­men­ge­fasst unter der River Advice AG sind die Service-Firmen wie die River Nau­tical GmbH, River Technics GmbH, River Ser­vices GmbH, River Academy AG, River Catering GmbH, Avalon Europe AG, König­stein River Cruises GmbH, Jose­phine River Ser­vices GmbH und die Triton River GmbH. Straubhaar: «Die Auf­gaben sind sehr indi­vi­duell, ent­spre­chend ist das Port­folio hete­rogen. Ein Ausbau der white label Ser­vices in Richtung Fracht­schiff­fahrt steht kurz bevor; dieser 2. Zweig wird den Umsatz pul­ve­ri­sieren.» 3. Die STARLING FLEET. Dar­unter liegen ins­gesamt 20 ROI und Select Firmen, diese Schiffs­halter-Firmen ver­chartern die Fluss­kreuz­fahrt­schiffe white label an Rei­se­ver­an­stalter aus aller Welt. Alle drei genannten Haupt­stränge sind unter dem Eigentum der Dach­marke UNITED RIVERS zusammengefasst.

7) Apropos Ver­träge: Es wurde mir aus Dresden die Infor­mation zuge­tragen, dass sich die Ver­hand­lungen mit den Inhabern der Werft Lau­begast als äus­serst her­aus­for­dernd dar­stellt. Für die WEISSE FLOTTE SACHSEN ist die Werft sehr wichtig. Sie gehört seit drei Jahren der Immo­bi­li­en­un­ter­nehmung Richert & Co und will nun dem Ver­lauten nach ein gegenüber heute Sie­ben­faches (!) an Miete. Dabei muss man wissen, dass Richert & Co. mit dem Dresdner Sven Spiel­vogel einer der drei Bieter in der Schluss­runde war und sich als Ein­hei­mi­scher grosse Chancen aus­machte, die Flotte zu über­nehmen. Nun könnte Sven Spiel­vogel als Spiel­ver­derber gegenüber Robert Straubhaar eine Retour­kutsche fahren.

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