Vor 75 Jahren: ein Schiffs­un­glück auf dem Vier­wald­stät­tersee wird zu einer sozialen Katastrophe

Das zweit­grösste Schiffs­un­glück1 in der Geschichte der Schweizer Dampf- und Motor­schiff­fahrt hat sich kürzlich zum 75. Mal gejährt. In diesem Zusam­menhang erschien ein Buch2 und das Schweizer Fern­sehen pro­du­zierte darüber das Doku-Drama «Es geschah am… Bis dass der Tod euch scheidet».3 Warum greift nun die Schiffs-Agentur das Thema auch noch auf? Nach der Aus­strahlung des Fernseh-Dok sind unter den Schiffs­leuten einige Fragen auf­ge­treten, denen ich nach­gehen möchte. Denn im Film erscheinen ein paar Inter­pre­ta­tionen etwas unpräzise. In einem Gespräch mit Rolf Gwerder4, der sich seit Jahr­zehnten intensiv mit Last- und Ledi­schiffen befasst, möchte ich das nun inzwi­schen gut doku­men­tierte Unglück noch stärker in den Fokus der Schiff­fahrt stellen.

Um was geht es? Am 12. Oktober 1944 endet auf dem Vier­wald­stät­tersee eine fröh­liche Hoch­zeits­feier in einer tra­gi­schen Kata­strophe. Auf dem Rückweg vom Fest im Hotel St. Niklausen zum Bahn­hofquai in Luzern stösst das Motorboot Schwalbe beim Has­lihorn mit dem Nauen Schwalmis zusammen. Die „Schwalbe“ mit 33 Per­sonen der Hoch­zeits­ge­sell­schaft sinkt sofort. 20 Men­schen ertrinken, die meisten davon stammen aus der Ent­le­bucher Gemeinde Escholzmatt. Der Bräu­tigam Gott­fried Studer, der beliebte Lehrer, Musik­di­rigent und Meis­ter­schütze, überlebt, ver­liert aber seine Braut Pia Portmann und die halbe Ver­wandt­schaft. 14 Voll­waisen bleiben zurück. Auch der Unfall-Kapitän Rudolf Müller­-Kleinmayer stirbt, wobei seine Nichte Josefine Klein­mayer als «Beimann» (Matrosin) das Unglück überlebt. Das Drama ist eine Ver­kettung von unglück­lichen Umständen: Der Führer des Motor­boots ist alko­ho­li­siert, sein Boot über­laden und im ent­schei­denden Moment reagiert er falsch und steuert sein Boot direkt auf den ent­ge­gen­kom­menden Nauen zu. Der Grund für diesen fatalen Fehler konnte nie restlos geklärt werden.

Das Buch «Die Braut fiel mir aber ins Wasser»

Die Auf­ar­beitung des tra­gi­schen Unglücks ist das Ver­dienst von Sämi Studer. Der Ent­le­bucher Jour­nalist und Redaktor beim Regio­nal­journal Zen­tral­schweiz von Radio SRF ist der Enkel des über­le­benden Bräu­tigams. Das Ereignis begleitete ihn seit seiner Kindheit: «Das Unglück wurde in meiner Familie zum Tabu-Thema, weil man nicht daran erinnert werden wollte», sagt Sämi Studer. Inzwi­schen sind alle Über­le­benden von damals gestorben. «Deshalb soll die Tra­gödie aber nicht in Ver­ges­senheit geraten.»

Nur wenige Monate nach der Kata­strophe lernte der von Trauer gezeichnete Witwer Gott­fried Studer am Grab seiner ersten Frau Pia seine zweite Frau Agatha kennen. Zwei Jahre später hei­ra­teten sie. Aus dieser Ehe ging dann der Vater (Gody) von Sämi Studer hervor. «Meine Gross­mutter war die Einzige, mit der der Gross­vater über das Unglück sprach. Was wäre mit mir, wenn das Unglück nicht pas­siert wäre?» Das habe ihn auch schon als Kind beschäftigt. «Deshalb glaube ich schon, dass dieses Unglück mich und die ganze Familie geprägt hat und immer präsent war.»

Deshalb hat sich Studer zum Ziel gesetzt, seine damalige Diplom­arbeit am Leh­rer­se­minar Hitz­kirch auf­zu­greifen und auf Hin­blick einer Art «75-Jahr-Gedenk­feier» dieses Mal fun­diert zu recher­chieren. Er konnte mit Betrof­fenen sprechen und ver­brachte viel Zeit im Luzerner Staats­archiv, wo das Unglück gut doku­men­tiert ist. «Ich wollte die Sache mög­lichst genau auf­ar­beiten und so für die Nachwelt erhalten.» Aus­führlich zitiert er auch aus den Poli­zei­akten zum Unglück. Über­rascht habe ihn, wie genau die dama­ligen Behörden den Fall auf­ge­ar­beitet hätten. Zum Bei­spiel wurde der Zusam­men­stoss zwi­schen dem Nauen und dem Motorboot mehrmals mit dem DGV-Schiff Aero5 und dem Unglücks­nauen nach­ge­stellt, am Tag und in der Nacht.

Ein Care-Team oder eine psy­cho­lo­gische Betreuung der zahl­reihen Wai­sen­kinder, der Hin­ter­blie­benen, der ganzen Bevöl­kerung von Escholzmatt, die in Schock­starre lag, gab es damals nicht. Sämi Studer recher­chierte: «Die Über­le­benden wurden – noch mit durch­nässten Kleidern – nach dem Unglück umgehend auf den Poli­zei­posten gebracht, befragt und danach nach Hause geschickt oder begleitet.» Es gab Fälle, wo Über­le­bende zu Hause die Scheibe ein­schlagen mussten, weil alles mitsamt dem Haus­schlüssel im Vier­wald­stät­tersee ver­schwunden war. Auf anderen Höfen standen Kühe im Stall, doch wer melkte sie am andern Morgen? Und später: wo kommen die Wei­sen­kinder unter? Buch und Film geben subtil Ant­worten; die Mit­teilung bei­spielswese, dass alle Kinder in Escholzmatt bleiben dürfen, bekommt im Film eine uner­hörte Hoffnung und Emotionalität.

Zwei Ergän­zungen zum Film

Das Dok-Drama musste die Fakten und Emo­tionen in Bildern und Szenen umsetzen – im Gegensatz zum Buch, das sich akri­bisch an Doku­mente hält und fein­fühlig vom Autor inter­pre­tiert wird. Die Stil­mittel dieses Filmes sind Inter­views mit Zeit­zeugen und Betrof­fenen, nach­ge­stellte Spiel­film­se­quenzen und Ori­ginal-Filme. Bei den fik­tio­nalen Szenen gibt es aus der «Schiffer-Optik» zwei Ergän­zungen anzu­bringen. Den Film deshalb zu kri­ti­sieren wäre aber falsch, meint auch der Kenner Rolf Gwerder: «Ziel dieser Dok-Sendung war wohl nicht die Dar­stellung der nau­ti­schen, prä­zisen Zusam­men­hänge, sondern die Ver­ar­beitung des Unglücks und das Auf­zeigen des ein­drück­lichen Zusam­men­haltes der Ein­wohner von Escholzmatt. Dies ist meiner Meinung nach dem Pro­du­zenten Rolf Elsener gut gelungen.»

Die erste Irri­tation betrifft die Rol­len­be­setzung des Nau­en­führers6, Eduard Murer, in Beckenried «Bodä Edy» genannt. Ihn wie im Film als unsi­cheren „Pirat“ dar­zu­stellen, ist für Rolf Gwerder und mich, die den Bodä Edy gekannt haben, befremdend. Als stolz, selbst­be­wusst und eigen­willig kam er mir ent­gegen. Und Rolf Gwerder ergänzt: «Edy war äus­serst klar im Denken und sehr direkt in seinen Worten. Dem Land­jäger, der ihn im Film auf dem Nauen im Bodä befragt hat, wäre Edy kei­nes­falls so ver­wirrt und zögerlich ent­ge­gen­ge­treten. Zudem hätte er die Fest­mach­er­leine zügig auf­ge­schossen und hätte diese nicht hilflos x‑mal mit seinen Händen her­um­ge­dreht…!7»

Der Bodä Edy hat eigentlich nie über das Has­lihorn-Unglück gesprochen – unauf­ge­fordert schon gar nicht. Rolf Gwerder kannte ihn gut und konnte in güns­tigen Momenten darüber mit ihm sprechen: «Edy’s Erzäh­lungen zum Has­lihorn-Unglück decken sich zu 100 % mit den Recherchen in Sämi Studers Buch und den­je­nigen der Dok-Sendung. Die eine oder andere Bege­benheit in diesem Zusam­menhang ist mir etwas aus­führ­licher in Erin­nerung, doch ver­stehe ich, wenn man sich sowohl im Buch als auch in der Dok-Sendung an die schrift­lichen Doku­mente wie etwa Ein­ver­nahme- und Gerichts­pro­to­kolle gehalten hat. Dass beim erfah­renen Schiffs­führer der ‘Schwalbe’ Alkohol im Spiel und das Aus­flugs­schiff über­laden gewesen sei hin­gegen erinnere ich mich nicht, aus den Erzäh­lungen des Bodä Edy gehört zu haben.» Bei der Obduktion wurden bei Kapitän Müller-­Kleinmayer 0,9 Pro­mille im Blut nach­ge­wiesen und das Schiff war für 30 Per­sonen zugelassen.

Rolf Gwerder: «Wenn ich Edy darauf ange­sprochen habe, war deutlich zu spüren, dass dieses tra­gische Unglück auch nach über 50 Jahren bis zu seinem Tod immer noch an ihm genagt hat – und wie sein Neffe Meinrad Grü­niger in der Dok-Sendung treffend geschildert hat, dass seine zeit­weise schlechte Laune nicht zuletzt auch von diesem Unglück geprägt war. Die Ein­ver­nahmen der Polizei, die Unter­su­chungen des Statt­hal­ter­amtes, die erst­in­stanz­liche Geld­busse und das beinahe 11 Monate lange Warten auf das Urteil des Amts­ge­richts haben Edy sehr belastet.» Sämi Studer kennt den Grund des langen Wartens: «Trotz der an sich klaren Aus­gangslage wurde eine Ver­ur­teilung des Last­schiff-Kapitäns Eduard Murer als Mit­schul­digen ange­strebt. Der Grund: Die ‘Neuenburger’-Versicherung des Unfall­ka­pitäns wollte einen Teil der Kosten so auf jene von Murer umwälzen.» Das Amts­ge­richt Luzern Land revi­dierte das erst­in­stanz­liche Urteil des Statt­hal­ter­amtes Luzern Land vom 10. April 1945 und sprach den Bodä Edy von Schuld, Strafe und Kosten am 4. Sep­tember 1945 frei.

Schneller als gezeigt

Die zweite Irri­tation des Filmes ist die «Unter­gangs­szene», die sich ansatz­weise an den Film Titanic anlehnt. Rolf Gwerder: «Meiner Meinung nach ist der Untergang des Motor­bootes wesentlich rascher erfolgt, als er in der Dok-Sendung dar­ge­stellt wird: Der Bug des etwa 7 Tonnen schweren Fahr­gast­schiffs (etwas grösser als das im Film ver­wendete MB Nicolas der SNG) wurde vom Joch des etwa 39 Tonnen schweren Nauens Schwalmis augen­blicklich unter Wasser gedrückt und das Motorboot durch die Rest­ge­schwin­digkeit zur Seite gedreht.» Das ging blitz­artig, sodass – im Gegensatz zum Film – das Schiff nach einer halben Minute bereits sank. Dies bestätigt auch der nau­tische Unter­su­chungs­be­richt, ver­fasst von Hermann Dittus, Werftchef der Zürcher Dampfboot AG (heute ZSG) und O. Hager, Werftchef der D.G. vom Thuner- und Bri­en­zersee (heute BLS): «Es ist richtig, dass zwi­schen der Bauart des Bootes und dem raschen Ver­sinken ein kau­saler Zusam­menhang besteht.» Beim Zusam­men­stoss drückte das hohe Joch des Nauens das tiefer gelegene Pas­sa­gierboot rich­tig­gehend ins Wasser; der offene Bugraum füllte sich rasch mit Wasser. Die Fahr­gäste sassen ja in der Schale der «Schwalbe».

Rolf Gwerder gibt auch zu bedenken: «Die glatten, ‘aus­la­denden’ Sei­ten­wände des Nauens waren denkbar unge­eignet, dass sich jemand hätte daran fest­halten, geschweige denn sich hoch­ziehen können. Die niedrige Was­ser­tem­pe­ratur an einem 12. Oktober und die Tat­sache, dass das Gros der Ent­le­bucher Hoch­zeits­gäste des Schwimmens unkundig war, werden ein Übriges dazu bei­getragen haben, dass nur gerade 13 Pas­sa­giere gerettet werden konnten.»

Die Rolle der Polizei und der Ret­tungs­kräfte wäre durchaus auch noch ein spa­nendes Thema für den Film gewesen. Anwohner tele­fo­nierten der Stadt­po­lizei Luzern prak­tisch gleich­zeitig mit dem Geschehen, nachdem sie die Hil­fe­schreie vom See her hörten. Dass es dann genau eine Stunde dauerte, bis die ersten Ret­tungs­kräfte (notabene noch am fal­schen Ort) ein­trafen, war dann im Zuge des dra­ma­ti­schen Ereig­nisses kein öffent­liches Thema. Pro­to­kol­liert ist, dass zuerst abge­klärt werden musste, ob nun der Vorfall auf dem Gebiet der Stadt Luzern pas­siert sei oder nicht. Je nach dem hätte dann die Kan­tons­po­lizei aus­rücken sollen. Da beide Korps keine eigenen Boote hatten, tele­fo­nierte die Stadt­po­lizei dem Schiffs­be­trieb Meier-Kleinmayr und bat um die Zur­ver­fü­gung­stellung seiner «Schwalbe». Die Frau gab dann zur Aus­kunft, er sei noch nicht zu Hause und mit einer Hoch­zeits­ge­sell­schaft auf dem See unterwegs… Die Polizei musste dann mit ange­heu­erten Ruder­booten aus­rücken.8

Da war die Welt noch in Ordnung: Die Braut Pia Studer-Portmann steigt aus der «Schwalbe» für das Hoch­zeitfest im Hotel St. Niklausen.

Die Polizei ver­misst das Unglücks­schiff und erstellt für die Unter­su­chungs­be­hörden einen Plan. Die Bau­werft des Schiffes ist noch Gegen­stand wei­terer Recherchen.

Die «Schwalbe» wird am 13. Oktober 1944 morgens um zwei Uhr unter Wasser in den Hafen Has­lihorn gezogen und das Kabi­nendach ent­fernt, um die neun in der Kabine ein­ge­sperrten Ertrun­kenen zu bergen.

Am selben Morgen noch wird die «Schwalbe» gehoben und der Unter­su­chungs­be­hörde übergeben.

Augen­schein auf der wieder schwim­menden «Schwalbe»

An zwei Tagen wird der Unfall­hergang nach­ge­stellt. Dazu dient die fast gleich lange «Aero» von der DGV, rechts der Nauen Schwalmis.

Schiffs­führer Bodä Edy (Eduard Murer) vom Nauen Schwalmis

Bilder Textteil: Film­plakat des Dok-Filmes «Es geschah am…»

Der Nauen Schwalmis mit Gästen vom Hotel Edelwyss im Bodä in Beckenried

Die «Nicolas»9 dient als Drehort für die fik­tiven Szenen des Dok-Filmes.

Text H. Amstad, Bilder 1, 2, 3 und 6 aus dem Buch «Die Braut fiel mir aber ins Wasser»2, Bilder 4, 5, 7 und Textteil 2 Archiv R. Gwerder, Bild Textteil 3 SNG

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Hin­weise

1) Schiffs­his­to­riker Jürg Meister: «Trau­riger Rekord­halter ist bezogen auf die Dampf- und Motorschff­fahrt die ‘Mont-Blanc’ auf dem Gen­fersee. Im Juli 1892 explo­dierte der Dampfdom und 26 Men­schen sind mit töd­lichen Ver­let­zungen ver­brüht. Der Zusam­men­stoss des Motor­schiffes Schwalbe mit dem Nauen Schwalmis hält den Rekord mit der grössten Anzahl der Ertrun­kenen. Der Untergang der ‘Neptun’ auf dem Bie­lersee for­derte 1880 deren 15 Todes­opfer. Die ‘Schwalbe’ erinnert (rein optisch) fatal an den Fall ‘Neptun’ vom Bie­lersee: trotz Auf­bauten hatten beide Schiffe halt letztlich bloss offene Schalen.»

Das grösste Schiffs­un­glück in der Schweizer Schiff­fahrts­ge­schichte ereignete sich 1687, also vor dem Dampf- und Moto­ren­zeit­alter. Rund 60 000 Huge­notten, wie die fran­zö­si­schen Pro­tes­tanten hiessen, mussten flüchten, weil Frank­reich 1658 die Reli­gi­ons­freiheit ein­schränkte. Die Flucht führte durch die Schweiz als Tran­sitland. Reisen auf Strassen und Wegen war damals sehr beschwerlich, weshalb der Was­serweg wenn immer möglich bevorzugt wurde. Den Hagen­eck­kanal gab es damals noch nicht, so benützte ein Teil des Flücht­lings­stromes den Lauf der Alten Aare, die sich stark mäan­drierend von Aarberg Richtung Büren und Solo­thurn schlän­gelte. Eines von zwei über­füllten und zusam­men­ge­bun­denen Weid­lingen fuhr auf diesem Weg auf einen Holzs­trunk auf. Dieser zer­brach und brachte auch den anderen zum Kentern. Mit 111 ertrun­kenen Men­schen ist dies das bis heute grösste Schiffs­un­glück in der Schweiz.

2) «Die Braut fiel mir aber ins Wasser» Vom Hoch­zeitsfest in die Kata­strophe, Schiffs­un­glück 12. Oktober 1944 auf dem Vier­wald­stät­tersee, Sämi Studer 156 S. illus­triert, bei uns erhältlich (Link)

3) Haupt­rollen: Domi­nique Müller als Gott­fried Studer, Judith Koch (super Besetzung) als Pia Portmann, Regie Wendy Pil­lonel, Drehbuch und Pro­duzent Rolf Elsener; Link zum Film

4) Rolf Gwerder ist Ver­fasser ver­schie­denster Last­schiff- und Nau­en­bücher, u.a. hat er sich mit der Doku­men­tation «Nauen auf dem Vier­wald­stät­tersee – die Geschichte des Güter­trans­ports mit Motornauen» (ver­griffen) einen Namen gemacht. Der Berufs­un­ter­of­fizier der Schweizer Armee inter­es­siert sich seit seiner Jugend für die Nauen auf dem Vier­wald­stät­tersee und hatte bedingt durch seinen Wohnort das Glück, den Bodä Rädi während etwa 20 Jahren und seinen Bruder, den im Artikel erwähnten Bodä Edy, kennen zu lernen. Gwerder: «Von den beiden ‘Bedäler’ konnte ich sehr viel für meine beruf­liche und meine private Zukunft als ‘Frei­zeit­see­gusler’ auf dem Vier­wald­stät­tersee mitnehmen.»

5) Das MS Aero wurde 1910 durch die Hitzler Werft für die Genos­sen­schaft AERO in Luzern gebaut. Es wurde zum Per­so­nen­verkehr vom Bahnhof Luzern zur Luft­schiff­station Trib­schen ein­ge­setzt. Nach dem ersten Welt­krieg kam die „Aero“ in den Besitz der DGV und war dort das erste nicht dampf­be­triebene Fahr­gast­schiff. 1959 aus­ge­mustert kam es zu diversen Eigen­tümern und wird seit 2016 durch A. Fischer und N. Schwarz betrieben. Der Hei­mat­hafen ist Sisikon.

6) Die «Schwalmis»-Besatzung bestand aus dem Schiffs­führer Bodä Edy (Eduard Murer) und dem Seehof Sepp (Josef Amstad, Cousin meiner Mutter, dem Ver­fasser dieses Blog­bei­trages) als Beimann. Gwerder: «Die Bezeichnung ‘Matrose’ ver­wendet man auf Last­schiffen nicht.».

7) Bezüglich Edy’s Seh­ver­mögen hat Rolf Gwerder Infor­ma­tionen aus erster Hand: «Ihm wurde 1935 das linke Auge durch einen unglück­lichen Vorfall im Schwa­nen­gässli in Beckenried durch einen Mes­ser­stich unwie­der­bringlich ver­letzt. Es ging um einen ver­meint­lichen Velo­dieb­stahl. Edy war sich seiner Beein­träch­tigung sehr wohl bewusst und hielt aus­ge­sprochen Sorge zu seinem gesunden Auge. Zur Auf­recht­erhaltung seiner Füh­rer­aus­weise für Motorrad, Auto und Güter­schiffe musste er in fest­ge­legten Abständen zur Seh-Kon­trolle und hat diese aus­nahmslos bestanden. Der Bodä Edy war ein erfolg­reicher Kranz­schütze. Während vielen Jahren wäre ein Rüt­li­schiessen ohne ihn ein Drama gewesen. Als er einmal an einem Schüt­zenfest einen Nuller geschossen hat, musste man ihm aller­dings erst die Scheibe bringen, bevor er es auch wirklich geglaubt hat…»

8) Laut dem Luzerner Tag­blatt vom 13. Oktober 1944 sollen dann die beiden DGV-Schiffe Reuss und Mythen in der Nacht für die Suche und Bergung der Ertrun­kenen auf­ge­boten worden sein. «Die ‘Mythen’ mit ihren starken Schein­werfern musste dabei von Gersau her­bei­geholt werden. … Den Ber­gungs­or­ganen bot sich vor Ort und Stelle ein grau­en­voller Anblick.» In der Kabine sassen die Reihen der ertrun­kener neben­ein­ander auf den Bänken. «Diese Leichen konnten erst geborgen werden, als gegen 2 Uhr morgens das Boot … ans Ufer geschleppt und das Dach ent­fernt werden konnte.»

9) Die drei betei­ligten Prot­ago­nisten im Ver­gleich: «Schwalbe», Inhaber R. Müller­-Kleinmayer, Baujahr noch offen, 13 m L, 2.55 m B, 30 Per­sonen / «Aero», Inhaber 1944 DGV (heute A. Fischer/​N. Schwarz), Baujahr 1910, 13.20 m L, 3.05 m B, 60 Per­sonen / «Nicolas», Inhaber heute SNG, Baujahr 1901, 11.7 m L, 2.18 m B, 20 Per­sonen (heute)

All­ge­meiner Hinweis

Der Ende Jahr jeweils erschienene Medi­en­be­richt über die Ände­rungen und Neue­rungen der Schiffs-Angebote für die kom­mende Saison ent­fällt dieses Mal. Die Pla­nungs­un­si­cherheit wegen den behörd­lichen Mass­nahmen im Zusam­menhang von Covid-19 ist der­massen gross, dass zur Zeit leider keine seriösen Aus­sagen über die Angebote im 2021 gemacht werden können.

Weiter im Text

Inter­es­santer Radio-Beitrag (Link)

TV-Beitrag mit dem ganzen Dok-Film «Bis dass der Tod euch scheidet» (Link)

Auszüge aus diversen Zei­tungs­ar­tikeln zum Has­lihorn-Unglück findet man auch in Heinz Schür­manns Diplom­arbeit «Schiffs­un­glücke auf dem Vier­wald­stät­tersee» 1984: S. 64 – 66 und 136/137 (Link)

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