Unterwegs auf Flüssen: das Kreuz­fahrten-ABC (1. Teil).

Dieses Handbuch soll eine kleine „Gebrauchs­an­weisung“ sein für ange­hende Gäste einer Fluss­kreuz­fahrt.

Vorwort.

Das ehe­malige Deilmann-Schiff MS König­stein ist in diesem Jahr vom 14. April bis 6. Juli im Pen­del­dienst Saar­brücken – Koblenz und Koblenz – Saar­rücken je in einem 6‑Tages-Turnus ein­ge­setzt. Ser­vRail Schweiz hat das Schiff, das sonst zwi­schen Potsdam und Rügen für Favorit-Reisen unterwegs ist, in Voll­charter. Ich war auf der „Pio­nier­fahrt“ auf der Saar und Mosel dabei und genoss die geruhsame Tour; auch aus­serhalb des Start- und Ziel­punktes dau­erten die Auf­ent­halte in Trier, Bern­kastel und Cochem nebst der Nacht mind. einen halben Tag. Die aus­ge­dehnten Land­gänge wurden durchwegs gelobt.

A All inclusive

In der Regel sind im Pau­schal­preis alle Leis­tungen inbe­griffen ausser die Land­aus­flüge, die Getränke an Bord und Trink­gelder. Sind Reisen spe­ziell gekenn­zeichnet mit „all inclusive“ meint man, dass auch die Getränke zu den Mahl­zeiten und die­je­nigen zwi­schen­durch im Grund­preis ent­halten sind. Der fran­zö­sische Anbieter „Croisie Europe“ hat für viele Angebote ein All inclusive; die aller­meisten Anbieter aber ver­zichten darauf. Zum einen ist „all inclusive“ bei den Schweizer Fahr­gästen nicht beliebt und zum andern bedeutet der Verkauf von Getränken für die Ree­de­reien eine ent­spre­chende Ein­nah­me­quelle. Es gibt an Bord jeweils keine Alter­na­tiven (ausser das Selber-Ein­kaufen in den Lan­de­orten).

B Buchen

Das Buchen von Fluss­kreuz­fahrten übers Internet ist heute Standard. Alle Anbieter ver­fügen über ent­spre­chende Platt­formen. Rei­se­büros ver­mitteln solche Reisen eben­falls, die Auswahl ist aber ein­ge­schränkt; die Margen sind klein.

C Charter

Rei­se­ver­an­stalter mieten bei einer Ree­derei (Betrei­berin von Schiffen) auf eigenes Risiko Schiffe an (sie chartern sie), manchmal über mehrere Jahre. Bei­spiel: Thurgau Travel hat MS Edel­weiss von der Ree­derei Scylla Tours in einem mehr­jäh­rigen Voll­charter, MS Dnjepr Prinzess von der Ree­derei Chervona Ruta in einem Teilcharter, zusammen mit andern Rei­se­ver­an­staltern.

D Dresscode

Kreuz­fahrten und Klei­der­vor­schriften waren zu Beginn dieser Rei­seart weit ver­breitet. Heute hin­gegen geht das – zumindest auf den Flüssen – locker zu und her. In den meisten Fällen gilt das infor­melle Motto: „sportlich“. Am Gala­dinner ist ein Kittel gern gesehen. Kurze Hosen sind am Abend­essen auch im Hoch­sommer verpönt. Gute Erfah­rungen machte ich, immer fol­gende Klei­de­r­uten­silien in die Koffer zu packen: Badehose (anstelle einer Stadt­führung ist ein Besuch eines Bades oder einer Well­nessoase an Land eine echte Alter­native) sowie warme Mütze und Hand­schuhe (selbst in den Über­gangs­zeiten kann es auf dem Aus­sendeck ganz schön ziehen und selbst im Hoch­sommer am Morgen früh mit dem Fahrwind sehr frisch sein).

E Eigner

Die inter­na­tionale Pas­sagier-Schiff­fahrts­branche wirkt intrans­parent. Die Über­sicht ist schwierig, da jeweils zwei bis vier Partner am „Produkt Schiff“ beteiligt sind: eine Finan­zie­rungs­ge­sell­schaft, ein Eigner, eine Ree­derei (Betrei­berin) und ein Rei­se­ver­an­stalter, der das Schiff chartert. Dabei können auch zwei oder drei dieser „Partner“ der­selbe sein und innerhalb der gleichen Firma ver­schie­denste „Kul­turen“ gepflegt werden. Bei der fran­zö­si­schen Croisi Europe kommt alles aus einer Hand, das ist eher die Aus­nahme. Bis vor kurzem galt dies auch für die A’Rosa-Flotte. Seit Februar 2018 aber hat der bri­tische Finanz­in­vestor Duke Street die Flotte über­nommen, die aber wei­terhin unter der deut­schen Ree­derei aus Rostock fährt. In der Öffent­lichkeit wahr­ge­nommen werden der Ver­an­stalter (z.B. Mit­tel­thurgau oder Thur­gau­Travel) und allen­falls noch die Ree­derei (z.B. River Advice oder Scylla). Eigner hin­gegen wirken diskret. Mehrere Schiffen gehören z.B. in der Schweiz der Pano River Equity Zug, der UBS, dem Rei­sebüro Mit­tel­thurgau Wein­felden, Atlas River Cruising Basel, der RSR Schiff­fahrt AG Basel und Baar, der Viking River Cruise AG Basel, der Credit Suisse und vielen andern mehr.

E Eigner

Die inter­na­tionale Pas­sagier-Schiff­fahrts­branche wirkt intrans­parent. Die Über­sicht ist schwierig, da jeweils zwei bis vier Partner am „Produkt Schiff“ beteiligt sind: eine Finan­zie­rungs­ge­sell­schaft, ein Eigner, eine Ree­derei (Betrei­berin) und ein Rei­se­ver­an­stalter, der das Schiff chartert. Dabei können auch zwei oder drei dieser „Partner“ der­selbe sein und innerhalb der gleichen Firma ver­schie­denste „Kul­turen“ gepflegt werden. Bei der fran­zö­si­schen Croisi Europe kommt alles aus einer Hand, das ist eher die Aus­nahme. Bis vor kurzem galt dies auch für die A’Rosa-Flotte. Seit Februar 2018 aber hat der bri­tische Finanz­in­vestor Duke Street die Flotte über­nommen, die aber wei­terhin unter der deut­schen Ree­derei aus Rostock fährt. In der Öffent­lichkeit wahr­ge­nommen werden der Ver­an­stalter (z.B. Mit­tel­thurgau oder Thur­gau­Travel) und allen­falls noch die Ree­derei (z.B. River Advice oder Scylla). Eigner hin­gegen wirken diskret. Mehrere Schiffen gehören z.B. in der Schweiz der Pano River Equity Zug, der UBS, dem Rei­sebüro Mit­tel­thurgau Wein­felden, Atlas River Cruising Basel, der RSR Schiff­fahrt AG Basel und Baar, der Viking River Cruise AG Basel, der Credit Suisse und vielen andern mehr.

G Gebiete und Reviere

Nebst Schiff und Kosten kann das Fahr­gebiet eine über­ge­ordnete Rolle spielen bei der Wahl einer Fluss­kreuz­fahrt. All­gemein machte ich gute Erfah­rungen, neue Angebote bald zu benutzen, da poli­tische oder wirt­schaft­liche Rah­men­be­din­gungen sich so ändern können, dass das Angebot wieder vom Markt ver­schwindet. Nicht alle Schiffe können überall fahren, dies wegen ihrer Grösse. Die ehe­ma­ligen KD-Klas­siker fahren nur auf dem Rhein; ebenso geht es der „Mozart“ und den ost­eu­ro­päi­schen Fünfdeck-Linern, die nur auf der Donau (und dem Schwarzen Meer inkl. angren­zenden Flüsse) fahren können. Inter­es­san­ter­weise sind diese beiden Klas­siker Rhein und Donau land­schaftlich die unat­trak­tivsten, obschon sie die erfolg­reichsten sind. Die grossen Städte und Metro­polen sind hier die Anzie­hungs­unkte. Dem­ge­genüber sind Fahrten auf der Seine, Elbe, Duoro oder Saar/​Mosel wirklich emp­feh­lens­werte Natur- und Kultur-Erleb­nisse.

H Hunger

… muss auf den Kreuz­fahrt­schiffen niemand haben. Täglich gibt es drei bis sechs kuli­na­rische Ein­sätze der Küche: Ear­lybird-Früh­stück für Bett­flüchtige, Früh­stücks­buffet im Zeit­fenster von zwei Stunden, ein mehr­gän­giges Mit­tag­essen, Kaffee und Kuchen, ein mehr­gän­giges Abend­essen und ein Mit­ter­nachts­snack. Ers­teres und Letz­teres können weg­fallen. Zunehmend bieten die Ree­de­reien am Mittag alter­nativ zum bedienten Mit­tag­essen ein men­gen­mässig redu­ziertes Selbst­be­die­nungs­buffet an, das ich jeweils sehr schätze, um nicht anderthalb Stunden im Restaurant zu ver­bringen. Die A’Rosa-Schiffe haben ein völlig anderes Konzept: an bester Lage auf dem Schiff gibt es Koch- und Selbst­be­die­nungs­inseln, wo frisch zube­reitete Menus abgeholt werden können. Grund­sätzlich werden Vege­tarier und Vege­ta­rie­rinnen sowie Kunden mit veganen Ess­ge­wohn­heiten auf den Schiffen (noch) nicht so ver­wöhnt wie die andern (Aus­nahmen bestä­tigen die Regel).

Fort­setzung (Link)

Die „König­stein“ in Cochem.

Die „König­stein“ in Bern­kastel.

Im Ober­wasser einer Schleuse.

Schleusung auf der Saar bei Reh­lingen.

Zahl­reiche alte und ultra­mo­derne Brücken über­spannen die Saar und die Mosel.

Die A61 über­quert die Mosel in grosser Höhe.

Der Spei­sesaal der „König­stein“ ist auf dem Hauptdeck vorne ange­ordnet, was für Fluss­kreuzer sehr selten ist.

Durch Klick aufs Bild erscheint dieses im Gross­format.

Am Schluss des Blogs ist Ihr Kom­mentar will­kommen.

Hin­weise

In 6 Rei­se­tagen legte die „König­stein“ 288 km zurück (Saar 88 km, Mosel 200 km) und überwand mit 16 Schleusen einen Höhen­un­ter­schied von 126 m.

MS König­stein war ab Baujahr 1992 (Arminius-Werke Boden­werder) ursprünglich auf der Elbe ein­ge­setzt (von dort der Name). Das kleine Schiff (68,5 m L, 8,16 m B) wird durch zwei Pumpjets (Iveco 2 x 220 kW, v = 13 km/​h) ange­trieben, um auch bei Nied­rig­wasser die Elbe befahren zu können. Die Favorit Reisen Heil­bronn kaufte das Schiff zusammen mit der „Rossini“ (1983) aus der Kon­kurs­masse. MS König­stein hat 33 Kabinen, die auf unserer Reise mit 48 Per­sonen belegt waren.

Medi­en­hinweis: Weltweit gibt es ein Register über sämt­liche Fluss­kreuz­fahrt­schiffe. Es ist bei der Schiffs-Agentur zu erwerben (Link). Das von Arnulf Hader erschaffene Werk wird im Schnitt alle zwei Jahre aktua­li­siert und beinhaltet nebst Bildern und den tech­ni­schen Angaben viele weitere Infos zu Eigner, Ree­de­reien und Revieren.

Quellen

Bilder und Text H. Amstad.

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